Zeitung Heute : Das Aktuelle Computerlexikon: O

MAURICE SHAHD

Online sein heißt nicht gerade im wörtlichen Sinne "auf Linie" sein, sondern vielmehr "an der Leitung" zu hängen, im Gegensatz zu Offline.Gemeint ist die Telefonleitung, an die der Computer angeschlossen wird, um eine Verbindung zu den weltweiten Datennetzen wie dem Internet herzustellen.Um Daten analog empfangen und senden zu können, wird ein Modem (Modulator-Demodulator) benötigt.Ein Modem wandelt Daten (Texte oder Bilder) in Töne um, die dann über die Telefonleitung verschickt werden können.Durch ein Modem am anderen Ende der Leitung werden die Töne dann wieder entschlüsselt.Die Datenübertragungsgeräte konnten sich nur langsam durchsetzen und gehörten lange Zeit nicht zur Standard-Ausstattung eines Personal Computers, der Mitte der achtziger Jahre seinen Siegeszug antrat.Ein Film wie "Wargames" gehörte damals eher in den Bereich Science Fiction, in dem ein Junge, ausgerüstet mit PC und Modem, in den Zentralrechner des Pentagon eindrang und der Dritte Weltkrieg mal wieder nur äußerst knapp verhindert werden konnte.In dieser Zeit tummelten sich die wirklichen Computerfreaks bereits zahlreich in der sogenannten DFÜ-Szene, wobei DFÜ für Datenfernübertragung steht.Ziel des Modem-Besitzers war meist die Einwahl in eine Mailbox - einen elektronischen Briefkasten.Dort befanden sich Programme, Computer-Spiele und persönliche Nachrichten von anderen Mailbox-Nutzern zum Abruf.

Mit dem Bildschirmtext (BTX) der damals noch staatlichen Bundespost wurde erstmals in Deutschland der Versuch unternommen, die Datennetze auch kommerziell zu nutzen.Doch BTX erwies sich zunächst als Flop.Die Konsumenten waren nicht bereit, ihre Fernseher umzurüsten und auch noch Geld für die per BTX abrufbaren Dienstleistungen auszugeben.Jahrelang dümpelte der Dienst vor sich hin - bis sich der Erfolg des Internets abzuzeichnen begann.Die Telekom reagierte erstaunlich schnell und bot ihren Kunden einen Zugang zum Internet an.Neben der geballten Marketing-Power eines Telefon-Monopolisten brachte auch ein Überbleibsel aus alten BTX-Zeiten den Erfolg - das Homebanking.Das von der Telekom verwendete Sicherheitssystem mit Paßwort und Transaktionsnummer gilt als schwer zu knacken und führte dazu, daß sich viele Anwender für den in T-Online umgetauften Dienst entschieden.Die amerikanisch dominierte Konkurrenz von CompuServe und America Online hat deutliche Probleme, in diesem Bereich aufzuholen.Heute zählt T-Online über zwei Millionen Kunden und ist damit zugleich der größte Internet-Zugangs-Provider des Landes.Die Provider bieten ihren Kunden im Gegensatz zu den Online-Diensten keine speziellen Dienstleistungen wie etwa das Homebanking, sondern stellen nur die Verbindung zum Internet her.Der Anwender wählt mit seinem Modem den Provider an, der über einen speziellen Computer (Router) die Verknüpfung zur Datenautobahn herstellt.Ist der Anwender online, kann er die üblichen Internet-Dienste wie das World Wide Web (WWW), die elektronische Post (E-Mail) oder die Übertragung von Dateien per File Transfer Protokoll (FTP) nutzen.

Neben der analogen Datenübertragung mit einem Modem besteht inzwischen auch die Möglichkeit der digitalen Datenübertragung über ISDN (Integrated Services Digital Network), was übersetzt Dienste-integrierendes Digitalnetz bedeutet.Die standardmäßige Übertragungsrate beträgt 64 Kilobit pro Sekunde (Kbps), kann aber durch die sogannte Kanalbündelung, also die gleichzeitige Nutzung von zwei Leitungen, verdoppelt werden.Mit ISDN kann sehr zügig im Internet gesurft werden und auch aufwendigere Anwendungen wie Videoconferencing sind möglich.Noch ein Vorteil der ISDN-Leitung: Der Kunde erhält zwei Leitungen, drei Rufnummern und weitere Leistungen wie Anklopfen oder eine detaillierte Telefonrechnung.Allerdings müssen weitere Kosten für die Anschaffung digitaler Endgeräte einkalkuliert werden, obwohl mit einem entsprechenden Adapter auch analoge Geräte im ISDN-Netz genutzt werden können.



Aber auch bei der analogen Datenübertragung geht die technische Entwicklung weiter.Neuere Modems kommen mit Übertragungsraten von 56 Kbps der ISDN-Übertragung bereits recht Nahe.Doch schon ist ein neues Verfahren im Gespräch - ADSL (Asymmetrical Digital Subscriber Line).Mit ADSL sind über das Kupferkabel Bandbreiten möglich, die das hundertfache einer normalen ISDN-Leitung erreichen.

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