Zeitung Heute : Das Computerlexikon: R

MARKUS VON RIMSCHA

Das Herzstück eines Computers ist der Prozessor, dieser übernimmt in der Regel die Hauptrechenarbeit.Lediglich Sonderfunktionen wie beispielsweise die Grafikausgabe oder der Zugriff auf Datenträger werden auf separate Bausteine abgewälzt, die auf die jeweilige Aufgabe spezialisiert sind.Für die eigentliche Rechenarbeit des Computers bleibt aber in aller Regel der Hauptprozessor zuständig.Seine Leistungsfähigkeit ist also ein bedeutender, wenn auch nicht der einzige Einflußfaktor auf die Gesamtleistung des Systems.

Es werden zwei grundsätzlich verschiedene Strategien eingeschlagen.Die RISC-Architektur (reduced instruction set computers) folgt dem Prinzip, dem Prozessor nur relativ wenige Befehle zur Verfügung zu stellen.Komplexere Anweisungen müssen aus diesen wenigen Instruktionen zusammengesetzt werden.Den Gegensatz hierzu bilden die CISC-Rechner (complex instruction set computers), die über einen deutlich größeren Befehlssatz verfügen.Da der RISC-Rechner weniger Anweisungen kennen muß, ist er in der Lage, diese Kommandos sehr schnell auszuführen.Ein Programm, daß für einen RISC-Prozessor entwickelt wurde, benötigt so auf Grund der sparsameren Ausstattung zwar mehr Befehle, im Endeffekt arbeiten RISC-Prozessoren aber immer noch deutlich schneller als CISC-Rechner.

Ein weiterer wesentlicher Grund, warum die auf den ersten Blick interessanter erscheinende CISC-Variante mit wesentlich mehr Befehlen hinter RISC zurückbleibt, ist die Komplexität des Systems.Die hardwaretechnische Realisierung der zahlreichen Kommandos, die der Prozessor verstehen soll, ist sehr aufwendig und dementsprechend fehleranfällig.Ferner ist die softwareseitige Nutzung dieser Befehle sehr schwierig.Die Programmierung eines RISC-Prozessors stellt sich wesentlich einfacher dar und verspricht zudem eine deutlich höhere Arbeitsgeschwindigkeit.Dies gilt zumindest, wenn nicht massiv Funktionen benötigt werden, die die CISC-Alternative fest integriert hätte.Auch in diesem Fall bleibt es aber fraglich, ob bei einem CISC-orientierten Programm die zur Verfügung stehenden Anweisungen auch vollständig und optimal eingesetzt werden oder ob nicht mangels Kenntnis einige Möglichkeiten ungenutzt bleiben.

Ein Einsatzgebiet der RISC-Architektur sind daher extrem rechenaufwendige Prozesse wie beispielsweise die Generierung fotorealistischer dreidimensionaler Grafiken.So wurde zur Berechnung der Trickeffekte im Kassenschlager "Titanic" nicht etwa ein lagerhallengroßer Supercomputer verwendet.Vielmehr wurden hier 100 Alpha-PCs eingesetzt, die über RISC-Prozessoren verfügen.Als Betriebssystem erhielt das Freeware-UNIX Linux den Zuschlag.

Im Gegensatz dazu werden im Heimbereich quasi ausnahmslos die Intel CISC-Modelle sowie kompatible Varianten eingesetzt, die schnelleren RISC-Prozessoren können sich hier nur relativ schwierig durchsetzen.Zwar liegt mit Windows NT 4.0 ein gängiges Betriebssystem vor, das RISC-tauglich ist, es existieren aber so gut wie keine Anwendungen für diesen Prozessortyp.Alte 16-Bit-Programme, die noch aus DOS-Zeiten stammen, können zwar unter Windows NT 4.0 auf einem RISC-Prozessor ausgeführt werden, das gilt aber nicht für 32-Bit-Anwendungen.Hier ist der Umweg über einen Emulator nötig, wie beispielsweise FX!32, ein Zusatzmodul von Digital.Mit dessen Hilfe können nun auch aktuelle 32-Bit-Anwendungen, wie beispielsweise die Office-Programme, auf einem RISC-Prozessor ausgeführt werden.Programme, die von Haus aus für den RISC-Betrieb entwickelt wurden und unter Windows NT laufen, existieren aber kaum.Erst solche Anwendungen würden den Einsatz der RISC-Technologie aber interessant werden lassen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben