Zeitung Heute : Das dient der eigenen Entwicklung

Dagmar Dehmer

Beim Treffen der G-8-Finanzminister in Potsdam ist die chinesische Afrika-Politik kritisiert worden. Die Investitionen Chinas könnten den Kontinent wieder in die Schuldenfalle treiben, hieß es. Um was geht es China in Afrika – um Rohstoffe oder um Entwicklungshilfe?


Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält die Kreditpolitik Chinas in Afrika für schädlich. Jedenfalls hat er Peking nach dem G-8-Finanzministertreffen deutlich kritisiert. Angesichts der Rohstoffinteressen auf dem Kontinent gebe es ein zunehmendes Engagement Chinas, den afrikanischen Staaten sehr günstige Kredite zu gewähren. Dabei hätten doch die G-8-Staaten dieses Problem durch ihre Entschuldung gerade erst entschärft. Im Abschlussdokument tauchte diese Kritik allerdings nicht mehr auf. Schließlich ist China kein Mitglied im Club der G 8.

Ganz so einfach, wie Steinbrück die Sache darstellt, ist sie aber nicht. Zum einen hat China den afrikanischen Staaten selbst Schulden erlassen. Bisher rund 1,4 Milliarden Dollar, und der chinesische Premierminister Wen Jiabao kündigte bei der erstmals in Schanghai stattfindenden Tagung der Afrikanischen Entwicklungsbank den Erlass einer weiteren Milliarde Dollar an. Andererseits hat China beim Gipfeltreffen mit nahezu allen afrikanischen Staatschefs im vergangenen November eine Verdopplung der chinesischen Entwicklungshilfe bis 2009 und die Schaffung eines Entwicklungsfonds von fünf Milliarden Dollar versprochen.

Zwar geht es China in Afrika vor allem um den Zugang zu Rohstoffen. Es importiert etwa ein Drittel seines Öls aus Afrika. In Simbabwe, das nahezu keine anderen Beziehungen mehr pflegt, funktioniert die Zusammenarbeit so: China hat dem umstrittenen Präsidenten Robert Mugabe Kredite gegeben und im Austausch Platin-Lizenzen bekommen. Mugabe sagt, was die meisten afrikanischen Staatschefs denken: „Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter.“

Die Afrikaner wissen aber auch noch etwas anderes zu schätzen: Wenn Peking den Bau einer Straße verspricht, wird sie gebaut – allerdings mit eigenen Leuten. Bei chinesischen Projekten entstehen nahezu keine Jobs. Außerdem bleiben viele Chinesen nach dem Ende der Aufträge einfach, wo sie sind. So kommt es, dass auf afrikanischen Märkten, wo sich Einheimische schon bisher mühsam mit Kleinhandel über Wasser gehalten hatten, immer mehr Chinesen auftauchen, die ihnen selbst da noch Konkurrenz machen. In den Wahlkämpfen in Tansania und Sambia war die Abneigung gegen die Chinesen bereits ein wichtiges Thema.

Trotzdem halten die meisten Afrikaner es für einen strategischen Vorteil, dass China nun ein großer Akteur geworden ist. Denn wenn der Westen seine Investitionen mal wieder an strikte Regeln zur guten Regierungsführung binden will, gibt es eine Alternative. Würde Afrika auch noch von China lernen, wie man mit Investoren Geschäfte macht, könnten alle Afrikaner etwas davon haben. Von China lernen, heißt siegen lernen. Doch dazu müssten die Afrikaner Forderungen stellen. Zum Beispiel, dass Einheimische beschäftigt werden müssen, oder dass die zurzeit 700 chinesischen Firmen, die in Afrika aktiv sind, einheimische Teilhaber akzeptieren müssen. Genau so ist China zu einer wirtschaftlichen Großmacht geworden.

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