Zeitung Heute : Das eigene Wissen hinterfragen

BERTRAM KÜSTER

Als Visionär präsentierte sich der Software-Hersteller Lotus in dieser Woche auf der Fachtagung Lotusphere Europe 98, die am Freitag im Berliner ICC zu Ende ging.Einerseits stellt Lotus sich als Ideengeber für modernes Unternehmens-Management dar, das sich die neuen Kommunikations- und Informations-Technologien zu Nutze macht.Andererseits sieht man sich als unverzichtbaren Partner für den Aufbau der dazugehörigen Infrastruktur.

Das Schlagwort, das die Veranstaltung beherrschte, hieß: Knowledge Management."Kein Produkt, sondern eine Disziplin" sei darunter zu verstehen, sagt Robert Schneider, Cheftechnologe der Lotus Development GmbH in Ismaning.Die Problemstellung, die dahinter steht: "Wenn wir wüßten, was wir wissen, wären wir unschlagbar".Immer kürzere Produktions- und Reaktionszeiten, zu denen der Wettbewerb die Unternehmen zwinge, erfordere eine bessere Organisation und effektivere Anwendung des vorhandenen Wissens.

Ob es dabei um eine intensivere Kundenbindung via Internet etwa bei Bestellungen geht oder um die Nutzung von Informationen auch aus untergeordneten Produktionsabläufen wie beispielsweise Preisvergleichen: Lotus verspricht enorme Produktivitäts- und Rentabilitäts-Steigerungen.So habe Lotus-Kunde Chrysler mit Hilfe des Informations-Verwaltungssystems Notes/Domino innerhalb eines Jahres die unglaubliche Summe von 1,2 Milliarden Dollar einsparen können.Ein weiterer Vorteil der gezielten Organisation und Verteilung von Information liegt in der Schaffung von Transparenz innerhalb eines Unternehmens.

Die Lösungen, die Lotus im Bereich des Knowledge Managements anbietet, sind indes nicht wirklich neu und spiegeln das wieder, was schon seit geraumer Zeit im Bereich der Netz-Technologien diskutiert und zum Teil auch realisiert wird: Tele-Learning und Real-Time-Anwendungen sowie Audio- und Video-Konferenzen.Lotus rühmt sich für seine innovativen Lösungen im Bereich der Internet/Intranet-Technologie.So ist beispielsweise das Textverarbeitungsprogramm WordPro das einzige Produkt dieser Gattung, das das Erstellen und Bearbeiten von Dokumenten im Team erlaubt.

Ein großes Plus von Lotus ist das umfangreiche Business Partner Programm.Weltweit entwickeln und vermarkten mehr als 18 000 Unternehmen IT-Lösungen auf Basis von Lotus-Produkten.So hat sich um die IBM-Tochterfirma ein eigenständiger Industriezweig geformt, der die Entwicklung individueller Lösungen in unterschiedlichsten Bereichen vorantreibt.Zu den deutschen Lotus-Notes-Kunden gehören unter anderem die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, die Deutsche Bank oder die Bundeswehr.

Noch sind es vornehmlich große Unternehmen und Organisationen, die sich das Konzept des Wissens-Managements zu Nutze machen.Doch von den Prognosen für die Marktentwicklung verspricht sich Lotus einiges: Für Ende des Jahres peilt die Software-Firma 32 Millionen Notes-Anwender an.

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