Zeitung Heute : Das falsche Signal

Barbara Bierach

Jobs gibt’s nicht auf dem Arbeitsamt, genauso wenig wie der Strom aus der Steckdose kommt. Die Kanzlerin kann keine Arbeitsplätze stricken, genauso wenig wie die Opposition oder die Wirtschafts- und Finanzexperten. Die einzigen Leute, die Jobs produzieren, sind Unternehmer. Die Mehrheit der deutschen Arbeitsplätze finden sich in kleinen und mittleren Unternehmen – wo übrigens auch ein Großteil der Innovationen herstammt.

Aus Ideen Unternehmen machen war das, was dieses Volk mal am besten konnte. Heute jedoch sieht der Global Entrepreneurship Monitor (GEM), der die Gründungsneigung in verschiedenen Ländern untersucht, für Deutschland ziemlich ärmlich aus. Nur 3,4 Prozent der Erwachsenen versuchen, ein eigenes Geschäft hochzuziehen. Das ist Rang 19 unter 34 Ländern. 5,1 Prozent sind seit kurzem Unternehmer oder streben es an – macht Rang 24. Der Nachwuchs ist noch verschreckter: Die Quote der deutschen Jungunternehmer liegt bei 2,4 Prozent. 13 Prozent der befragten Erwachsenen schätzen die Gründungs-

chancen hier positiv ein – so wenig wie in keinem anderen der 34 GEM-Länder. In den USA liegt die Quote der Optimisten bei 34, in Großbritannien bei 36 und in den Niederlanden bei 38 Prozent. Nicht verwunderlich, dass diese Volkswirtschaften so viel dynamischer daher kommen.

Die Conclusio ist schnell gezogen: Ein gründerfreundlicheres Klima muss her. Doch die Regierung schafft die Ich-AG ab und erinnert an den Bauern, der mehr Käse machen will und gleichzeitig die Kühe verkauft. Künftig gibt es für Leute, die lieber gründen als tatenlos bleiben, vermutlich noch 300 Euro monatlich zusätzlich zum Arbeitslosengeld I. Das ist mickrig – besonders, wenn man die Umständen bedenkt, unter denen man hierzulande an den Start gebeten wird: Laut Doing Business Report 2005 dauert es in Mexiko gerade mal 58 Tage, um ein Start-Up auf die Beine zu kriegen, in der Türkei neun und in Singapur acht. Solange wartet man in Deutschland manchmal schon, bis man auf den entsprechenden Ämtern jemand ans Telefon kriegt.

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