Zeitung Heute : Das Gehirn bleibt demComputer überlegen

Daß die biologische Hardware Gehirn der Rechenmaschine weit überlegen ist, erläutert Klaus Mainzer in seinem neuen Buch über "Gehirn, Computer, Komplexität" APDer Sieg des Schachcomputers "Deep Blue" über Weltmeister Garry Kasparow im Mai hat dem menschlichen Genie die Grenzen aufgezeigt ­ aber nur in einem ganz kleinen Teilbereich, der zudem nach streng logischen und für den Computer verständlichen Abfolgen zusammengesetzt ist.Daß die biologische Hardware Gehirn der Rechenmaschine weit überlegen ist, erläutert Klaus Mainzer in seinem neuen Buch über "Gehirn, Computer, Komplexität" ­ die Reihenfolge im Titel ist durchaus beabsichtigt. In einem kompakten und dennoch gut verständlichen Abriß zur Wissenschaft der Neuroinformatik (zusammengesetzt aus Neurologie und Informatik) stellt der Professor an der Universität Augsburg dar, wie das Gehirn auch nach 40 Jahren Forschung das unerreichbare Vorbild von technischen Systemen ist, die seine Leistungsfähigkeit nachzuahmen versuchen.Denken, Fühlen und Wollen ­ so könnte die Quintessenz des Buchs lauten ­ können nicht mit Zahlen kodiert und durch berechenbare Prozesse dargestellt werden. Aufgrund der frappierenden Ähnlichkeiten mancher Funktionsweisen von Gehirn und Computer werden Wissenschaftler aber weiter verstärkt an einer technischen Abbildung des Gehirns arbeiten.Dem Autor kommt das Verdienst zu, diese verschiedenen Ansätze kritisch darzustellen und ihren möglichen Nutzwert abzumessen ­ etwa bei der Entwicklung sogenannter Neuroprothesen für Querschnittgelähmte und Blinde.Von einem tiefen humanistischen Grundverständnis getragen, bemüht sich Mainzer um die Überwindung von Ängsten, daß irgendwann künstliche Menschen geschaffen werden könnten.Zugleich aber wendet er sich aber auch dagegen, die sich an Science-Fiction-Vorstellungen anlehnenden Spekulationen einfach als unwissenschaftlich abzuwehren ­ schließlich sind auch diese ein Ergebnis des Wunders Gehirn und könnten irgendwann in den Bereich der Möglichkeiten gelangen. Das in vier Teilen übersichtlich gegliederte Werk nutzt zahlreiche Grafiken und Stichwörter am Seitenrand, um den Leser möglichst anschaulich durch die nicht einfache Materie zu leiten.Wer das Motto des lebenslangen Lernens, das in diesem Jahr von der Europäischen Union gegeben wurde, ernst nimmt, erhält mit dem Werk Mainzers eine wertvolle Hilfe zu einem besseren Verständnis für Möglichkeiten und Grenzen des Computers. Klaus Mainzer: Gehirn,Computer, Komplexität, 246 Seiten, erschienen zum Preis von 39,80 DM im wissenschaftlichen Springer-Verlag.

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