Zeitung Heute : DAS GERANGEL UM DIE WM 2002 HAT BEGONNEN: Afrika will zehn Startplätze

PARIS (sid).Noch ist die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich nicht beendet, da hat hinter den Kulissen bereits das Gerangel zwischen den Kontinenten um die Startplätze für die WM 2002 in Japan und Südkorea begonnen.Und es spricht einiges dafür, daß sich der neue Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA in den nächsten Wochen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen muß.Denn Joseph Blatter hat seine Wahl zum FIFA-Chef zu einem großen Teil denen zu verdanken, die jetzt gegen die alte Ordnung aufbegehren.

Da es in vier Jahren erstmals in der Geschichte der WM zwei Gastgeber gibt, denen ein Platz im 32er Feld reserviert ist, und traditionsgemäß der amtierende Weltmeister seinen Titel ohne vorherige Qualifikation verteidigen darf, stehen noch 29 Plätze zur Verfügung.

Afrikanische Funktionäre haben gegenüber Blatter inoffiziell schon die folgende Rechnung aufgemacht: Der afrikanische Kontinent zähle 51 Verbände, Europa 52.Afrika habe in Frankreich fünf Teilnehmer gehabt, Europa 15.Afrika stünden deshalb bei der ersten Weltmeisterschaft im neuen Jahrtausend exakt zehn der 29 Plätze zu.

Europa ist bescheiden und will nur den Status quo erhalten.Weitere Zugeständnisse will die UEFA mit ihrem Präsidenten Lennart Johansson allerdings nicht machen.Während die Welt nur fünf Kontinente kennt, hat die FIFA inzwischen deren sechs.Und der sechste Kontinentalverband, Ozeanien, will in Zukunft mindestens einen Startplatz bei der WM-Endrunde garantiert haben und sich nicht noch gegen den Vertreter eines anderen Kontinents qualifizieren müssen.Zuletzt war Australien in zwei Spielen gegen den späteren deutschen Gruppengegner Iran auf diese Weise noch durchs Sieb gefallen.

Asien möchte außer den zwei Garantieplätzen für die Ausrichter Japan und Südkorea noch jene die vier Plätze, die es in Frankreich gab, behalten.Insgesamt ergäbe dies 30 WM-Starter bei 29 möglichen - und Südamerika ist bei dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt.

Doch es kommt noch toller: Aus der Karibik kommt nämlich die kuriose Anregung, gleich zwei Plätze für jene Mannschaften zu reservieren, die immer in der ersten WM-Qualifikationsrunde, die im K.o.-System ausgetragen wird, verlieren.Diese ewigen Verlierer sollten gemäß der Weltrangliste in einer weiteren K.o.-Runde gegeneinander spielen, bis die beiden "besten Schlechten" feststehen, die dann zur WM-Endrunde fahren dürfen.

Der designierte Sportdirektor der FIFA, Michel Platini, hat seinerseits angeregt, nur 23 Startplätze auf die Kontinente aufzuteilen und sechs als Spielmasse zu behalten, die nach dem Abschneiden bei der letzten Weltmeisterschaft vergeben werden.Noch Fragen?

Gestern haben das Organisations-Komitee für die nächste Weltmeisterschaft und das Exekutiv-Komitee der FIFA getagt.Auf der Tagesordnung stand die Aufteilung der 32 WM-Plätze im Jahr 2002 noch nicht.Aber wer glaubt, das Thema wäre nicht schon in Kamingesprächen oder bei einer Tasse Kaffee erörtert worden, der muß schon ein sehr blauäugiger Mensch sein.

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