Zeitung Heute : Das Handy kann chinesisch

JEAN-LOUIS DOUBLET (AFP)

AT&T-Tüftler entwickeln Neues für die TelekommunikationVON JEAN-LOUIS DOUBLET (AFP)Geht es nach den Tüftlern im Labor des US-Telekomriesen AT&T, dann müssen sich China-Reisende bald nicht mehr wie im Turm von Babel fühlen.Die Ingenieure und Informatiker haben ein Telefon entwickelt, das die Simultanübersetzung von einfachen Sätzen etwa ins Mandarin-Chinesische ohne Dolmetscher besorgt.Ein Tourist soll einfach den Hörer abheben und auf Englisch ein Flugticket oder ein Hotelzimmer bestellen können, auch wenn sein Gesprächspartner am anderen Ende kein Wort Englisch versteht.Das dolmetschende Telefon gehört zu den Neuheiten, die AT&T schon in den nächsten Jahren kommerzialisieren will.Das Entwicklungslabor in Basking Ridge im US-Bundesstaat New Jersey beruft sich auf eine lange Tradition des technischen Fortschritts in den USA.Es steht in der Nachfolge der legendären "Bell Labs", in denen vor 50 Jahren die ersten Transistoren entwickelt wurden.Die Transistoren ermöglichten es den Fernsprechteilnehmern erstmals, ihre Anrufe ohne Umweg über die Vermittlung selbst zu wählen.Seit Ende 1996 stellt AT&T Telefongeräte allerdings nicht mehr selber her.Dieser Geschäftsbereich ist jetzt in der Hand von Lucent Technologies.Umso mehr Zeit hat AT&T jetzt, sich der Entwicklung seines eigenen Telekommunikationsnetzes zu widmen.Die Schnelligkeit und Kapazität allein der Standardnetze sei seit 1984 jedes Jahr um 60 Prozent angestiegen, berichtet Labordirektor Sandy Fraser.Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, daß sich dies in Zukunft ändern werde.Fraser denkt schon an Zeiten, in denen jeder Nutzer eine Glasfiber-Leitung besitzt und sämtliche Daten per Lichtsignal übertragen werden können.Er träumt von intelligenten Terminals und durchgängig hoher Qualität.In Basking Ridge hat Frasers Team unter anderem ein Konzept für Gelbe Seiten im Internet entwickelt.Die Verzeichnisse sollen nicht nur alle Restaurants der Stadt, sondern auf einen Mausklick hin auch die Speisekarte und aktuelle Öffnungszeiten enthalten.Die Tüftler arbeiten auch an einem System für Internet-Plauderecken, in denen sich die Gesprächspartner nicht nur schreiben und hören, sondern mittels Ikonen auch sehen können - lächelnd, schmollend, wütend oder mit einem anderem Gesichtsausdruck.Kommerziell am vielversprechendsten ist jedoch "a2b Music": Dieses Konzept erleichtert die Überspielung von Musik-CDs über eine Telefonleitung auf den PC, ohne Zugeständnisse bei der Tonqualität.Möglich ist dies bereits heute, dauert aber lange Zeit und bietet keine Garantie bei der Tonqualität.Durch die Verdichtung der Telefonsignale soll die Überspielzeit in der Größenordnung von 11 zu 1 verringert werden.Mit im Paket ist die Verschlüsselung.Damit soll verhindert werden, daß Piraten im Online-Handel wildern, der sich nach Auffassung von AT&T in den nächsten Jahren explosionsartig ausbreiten wird.JEAN-LOUIS

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