Zeitung Heute : Das Haustier aufs Gehäuse

IRIS ALANYALI

Ralf Kunstmann bemalt Fernsehgeräte auf der IFAVON IRIS ALANYALI

Auf der IFA sitzt ein Mann und fönt seinen Fernseher.Eine Traube Menschen schaut ihm begeistert zu.Keine Frage: Ralf Kunstmann ist ein heimlicher Star der Funkausstellung.Für die Firma Metz hat der Kunstillustrator eine Woche lang insgesamt fünf Geräte besprüht.Mit seiner Spritzpistole verwandelt er im Airbrush-Verfahren ein schlichtes Gehäuse in einen Marmorfelsen oder eine Erdbeere.Und der Fön trocknet die Farbe. Das extravagante Design ist ein Werbegag, um auf eine neue Produktlinie aufmerksam zu machen: Geräte, deren Farbe und technische Komponenten sich der Kunde individuell zusammenstellen lassen kann.Doch das kümmert Kunstmanns interessierte Zuschauer weniger.Sie denken ans eigene Wohnzimmer, und der Künstler ist besorgt: "Nicht, daß bei mir jetzt dauernd das Telefon klingelt, und die Leute sich ihre alten Fernseher bemalen lassen wollen!" Hauptberuflich fertigt der 31jährige Nürnberger fotorealistische Illustrationen für Zeitschriften und Agenturen an. Auch wenn Kunstmann ein Gerät mit dem Portrait seines Dalmatiners Delka verziert hat - der Aufwand für den persönlichen Fernseher mit Familiendackel wäre viel zu groß und teuer.Die neuen Gehäuse bestehen aus fünf abnehmbaren Teilen, die auf den Grundrahmen gesteckt werden und außerdem so vorbehandelt sind, daß man sie lackieren kann.Das ist bei den meisten Geräten nicht möglich.Kunstmann benötigt für ein Gehäuse ein bis zwei Tage.Allein die Bemalung würde ab 1000 Mark kosten, "nach oben hin gibt es keine Grenzen, je nach Motiv." Und ein Herr in schwarzer Lederweste hat ein weiteres Problem erkannt: "Wenn de deinen Fernseher in Schrank einjebaut hast, is sowat albern."

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