Zeitung Heute : Das Herz der Habsburger

30.07.2007 16:00 UhrVon Bettina Winterfeld

Die Klosteranlage Muri beherbergt die älteste Familiengruft der Adelsdynastie

Es muss ihr eine besondere Herzensangelegenheit gewesen sein. Jahrzehntelang trug die Witwe das Herz ihres toten Gatten in einer Hutschachtel bei sich. 1922, vier Jahre nach seiner erzwungenen Wiener Verzichtserklärung, war Kaiser Karl I. als letzter Herrscher der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie in der Verbannung auf der Insel Madeira gestorben und dort beigesetzt worden. Erst ein halbes Jahrhundert und viele Umzüge später konnte Ex-Kaiserin Zita von Bourbon und Parma sein dem Leichnam entnommenes Herz standesgemäß in der ältesten Habsburger Familiengruft im Kloster Muri im Aargau beisetzen. Sie folgte damit einem höfischen Grabritus, den die Habsburger im 18. Jahrhundert schriftlich festgelegt hatten.

Regelmäßig besuchte die Ex-Regentin fortan ihr angestammtes „Haus- und Hofkloster“, um dort für das Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls zu beten. Auch dabei folgte Zita einem festen Ritual. Dieses sah vor, dass sich die Kaiserin an der Pforte der Familiengruft zunächst unter vollständiger Nennung ihrer zahlreichen Titel meldete, um sich erst in der Wiederholung bescheiden und demütig als „Zita“ vorzustellen. Einmal, so berichtet die Legende, habe ein frisch ordinierter Pfarrer aus Bayern ihre langatmige Einlassung offensichtlich für einen guten Witz gehalten und antwortete spontan „… und hier ist der König von Bayern“.

Heute sind die Herzen des letzten österreichischen Kaiserpaars im ewigen Frieden vereint. Denn als Zita 1989 im Alter von 97 Jahren im schweizerischen Kloster Zizers starb, wurde ihr Leichnam zwar in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt, ihr Herz aber im stillen, mit wunderschönen Glasfenstern geschmückten Kreuzgang von Muri. Zusammen mit den Organen von Karl I. und Zita sind auch die Gebeine ihres Vorfahren, des Klosterstifters Radbot von Habsburg, hier bestattet. Er und seine Gemahlin Ita hatten im Jahr 1027 gleichzeitig mit dem Bau ihres nahe gelegenen Stammsitzes die Stiftung des Klosters verfügt. Bis heute ist Muri deshalb eine der ältesten Habsburger „Haus- und Hofkirchen“, in der sich die Nachkommen der europaweit verzweigten Adelsdynastie noch immer zum jährlichen Familiengottesdienst treffen.

Ein weiterer markanter Einschnitt in der Geschichte des Schweizer Klosters ist das Jahr 1697, als die Benediktinermönche über den Bau einer neuen Kirche abstimmten. Sie taten dies mit weißen und schwarzen Erbsen, eine Tradition, mit der die Professoren der schweizerischen Universität von Fribourg noch heute über anstehende Doktorarbeiten befinden. Der oktagonale Barockbau mit den herrlichen Fresken des Tessiner Malers Francesco Giogiolini konnte nach nur zweijähriger Bauzeit geweiht werden. Zu seinen Kostbarkeiten zählen neben dem prachtvollen Chorgestühl und einer bemerkenswerten Pìeta fünf Orgeln, die jeden Sonntag zu einem Konzert angestimmt werden.

Wenn im kommenden Jahr die Habsburger ihr 900-jähriges Bestehen feiern, dann wird auch die Ermordung des deutschen Königs Albrecht I. von Habsburg genau 700 Jahre her sein. Auch diese Tat mündete in den Bau eines Klosters: 1308 wurde es in Königsfelden für das Seelenheil des von seinem Neffen getöteten Königs gestiftet. Die Pracht und Vollständigkeit der mittelalterlichen Chorfenster ist einzigartig. Die gut erhaltenen Glasmosaiken von Königsfelden zählen zusammen mit den Schätzen von Muri und dem wehrhaften Wasserschloss Hallwyl zu den kulturellen Highlights des geschichtsträchtigen Aargau.

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