Zeitung Heute : „Das hier ist wirklich ein Traumberuf“

Holz, Keramik, Ton, Lithografie: In den Werkstätten der UdK wird das Handwerk vermittelt, das die jungen Künstler brauchen.

Anna Bordel
Das geht in Serie. Die Masterstudentin Cindy arbeitet an einem ihrer Drucke in der Siebdruckwerkstatt. Sie studiert Grundschulpädagogik und Kunst auf Lehramt und kann sich hier konzentriert ihrer eigenen Kunst widmen. Links: Einblicke in die Radier- und Holzwerkstatt und in die Skulpturenwerkstatt. Foto: Johannes Bock
Das geht in Serie. Die Masterstudentin Cindy arbeitet an einem ihrer Drucke in der Siebdruckwerkstatt. Sie studiert...

Masken aus Keramik, ein metallisches Pferd, bunt beleuchtete Räume – Kunst ist zweifellos eines: kreativ. Aber nicht nur, Kunst ist auch Handwerk. Und diese handwerkliche Kunst zeigt sich im Erdgeschoss des UdK-Hauptgebäudes. Es riecht nach gemahlenem Holz, und kreischender Sägelärm dringt aus einer Tür. Hier ist die Holzwerkstatt. Geht man weiter, verklingt das Maschinengeräusch und Farbgeruch steigt einem in die Nase. Hier sind die Druckereien zu finden.

Katja Borchert leitet seit 2007 die Siebdruckwerkstatt. In den zwei hellen Räumen gibt es mehrere große Arbeitstische, Siebe in verschiedenen Größen lehnen an den Wänden und Trockenständer stehen in den Ecken. In einer Kammer gibt es einen Hochdruckreiniger, um die Siebe von der Farbe zu säubern, in einer anderen steht eine UV-Belichtungslampe. Jede Werkstatt der UdK hat einen Leiter, der die Studenten in die Materie einführt, die Technik überprüft und bei Schwierigkeiten weiterhilft. Die Studenten können selbst entscheiden, wann sie in den Werkstätten arbeiten.

An einem der Tische arbeitet Cindy. Sie legt ein Papier auf den Arbeitstisch, das in roter Farbe die Umrisse eines langhaarigen Mannes zeigt. Während sie das Blatt zurechtrückt, erzählt Cindy, dass sie Grundschulpädagogik und Kunst auf Lehramt studiert. Sie schüttet schwarze Farbe auf ein Ende des Siebs. Die Farbe passt zu ihrer ebenso schwarzen Kleidung. Von ihren Kommilitonen der Grundschulpädagogik wird sie wegen ihrer Kleidung oft kritisiert – wie sie mit so einschüchterndem Äußeren kleine Kinder unterrichten wolle, bemängeln sie. Hier in der Werkstatt kann sie ganz für sich frei arbeiten und ihre Ideen ausprobieren. Niemand mischt sich ein. Cindy ist sehr konzentriert. Mit einer Art Kamm schiebt sie die schwarze Farbschicht mit Druck einmal vor und zurück über das Sieb. Fertig. Jetzt ist das Bild nicht mehr nur rot, sondern an anderen Stellen auch schwarz, und wird dadurch facettenreicher.

In der Siebdruckwerkstatt arbeitet am Tisch neben Cindy Barbara, die gerade ihren Master macht. Sie spannt ein sehr großes Blatt auf den Tisch, auf dem schon in einem grün-beige Ton Farbflecken aufgetragen sind. Dieser Druck wird die Fortsetzung einer Serie sein. Die 25-Jährige zeigt auf die Wand, an der ein bereits fertiger Druck dieser Reihe hängt. Er zeigt kein eindeutiges Motiv. Sie lacht und erklärt: „Das ist ein Foto vom Inneren eines Kaugummiautomaten, den ich mal am Maybachufer gefunden habe.“ Die „Kaugummiautomat“-Bilder haben vier Farbschichten. Katja Borchert hilft Barbara, Farbe über das Sieb zu schieben, weil der Tisch so groß ist. „Mehr Druck“, sagt Barbara und gemeinsam schieben sie. Die Werkstattleiterin war vor ihrer Arbeit an der UdK als freie Künstlerin tätig. Aber das hier ist „wirklich mein Traumberuf“, sagt sie.

Verlässt man die Siebdruckwerkstatt, befindet sich einige Türen weiter die Werkstatt für Lithografie, Steindruck. Betritt man den Raum, fallen die massiven Steinplatten auf, die überall im Raum herumliegen. Vorne sitzen drei Studentinnen, die vom Werkstattleiter Helmut Müller eine Einführung erhalten. Verstehen kann man nichts von dem, was er sagt, denn über allem liegt das laute Schleifgeräusch, das eine Studentin weiter hinten im Raum verursacht. Bevor der Stein bearbeitet werden kann, muss die steinerne Fläche durch Schleifen angeraut werden. Das ist eine mühselige Arbeit. Die Lithographie arbeitet mit Fett, das heißt an manchen Stellen kann der Stein Farbe aufnehmen, an manchen Stellen weist er sie ab. Auf diese Weise kann sehr fein gearbeitet werden und mit einem Stein kann mehrere 100 Mal gedruckt werden ohne dass die Qualität des Drucks nachlässt.

In einem kleineren Gebäude im Hinterhof arbeitet Angelika Dörbaum in der Keramikwerkstatt, die sie leitet. Vor ihr liegt ein unförmiger Klumpen Gips auf dem Tisch. Es handelt sich um eine Negativform, in der eine Positivform aus Ton steckt. Sie ist getrocknet, und jetzt will Angelika Dörbaum die Form öffnen. „Nach dem dritten Mal ist man nicht mehr aufgeregt, ob es klappt", sagt sie. Und siehe da, als sie die Form entfernt, kommt ein fertiges Huhn aus rotem Ton zum Vorschein. Die Feinheiten können noch geschliffen werden und dann wird das Huhn im Ofen gebrannt.

Zurück in der Siebdruckwerkstatt. Das Huhn kommt einem fast herkömmlich vor, wirft man einen weiteren Blick auf die Motive in der Siebdruckerei. Das Innere eines Kaugummiautomaten ist nicht das einzige Skurrile. Anna Lucía möchte Pegasus drucken und zwar nicht auf Papier, sondern auf eine Yogamatte. Yoga macht sie eigentlich nicht, aber sie hat die Matte gratis bekommen, als sie sich bei einem Fitnessstudio angemeldet hat, und so kam die Idee auf. Auf die Idee, Pegasus auf eine Yogamatte zu drucken, kann man wohl nur kommen, wenn man weiß, welche handwerklichen Kunstgriffe möglich sind, in den Werkstätten der UdK Berlin.

Auch die Werkstätten sind während des Rundgangs geöffnet. Sie befinden sich im Erdgeschoss des UdK-Gebäudes in der Hardenbergstraße 33. Die Maltechnik (Raum 75) zeigt die Ausstellung „Painted Black“ mit Arbeiten von ehemaligen und jetzigen UdK-Künstlern.

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