Zeitung Heute : Das Jobwunder in Deutschland geht weiter

2013 so viele Erwerbstätige wie noch nie – Berlin profitiert besonders.

von

Berlin - Trotz des zuletzt nur mäßigen Wirtschaftswachstums finden immer mehr Menschen in Deutschland Arbeit. Im gerade abgelaufenen Jahr 2013 ist die Zahl der Erwerbstätigen zum achten Mal in Folge gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. 41,78 Millionen Männer und Frauen hatten im Jahresschnitt eine Stelle oder sind selbstständig, das sind 232 000 mehr als im Vorjahr. So hoch war die Beschäftigung hierzulande noch nie. Fachleute erwarten, dass in diesem Jahr noch mehr Stellen entstehen – Arbeitslose dürften davon allerdings kaum profitieren.

In den beiden vergangenen Jahren war der Zuwachs an Beschäftigten noch doppelt so stark ausgefallen. Wirtschaftsforscher schätzen das Wachstum 2013 nur auf rund 0,5 Prozent. Vor den Arbeitsmarktreformen im Zuge der Agenda 2010 war allerdings noch ein weitaus stärkeres Wachstum nötig, damit die Unternehmen neue Stellen schufen.

Während die Zahl der Arbeitnehmer um insgesamt 297 000 stieg, gab es zugleich weniger Selbstständige und mithelfende Angehörige, ihre Zahl ging um 65 000 zurück. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Regierung die Zuschüsse für Existenzgründer gekürzt hat.

Als dynamischste Branche zeigte sich wie seit Jahren der Dienstleistungsbereich. Hier arbeiten mittlerweile drei von vier Beschäftigten, im vergangenen Jahr kamen 227 000 weitere Stellen hinzu. Bei unternehmensnahen Servicefirmen gab es den stärksten Zuwachs. Die Industrie meldete 17 000 zusätzliche Job, auf dem Bau waren es 20 000 mehr. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei verloren weiter an Bedeutung, hier registrierten die Statistiker ein Minus von 31 000.

Seit die Beschäftigung immer weiter zunimmt, profitiert Berlin im Vergleich der Bundesländer in besonderem Maße davon. Nur in Hamburg ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den vergangenen Jahren stärker gestiegen. Das liegt vor allem daran, dass der expandierende Dienstleistungsbereich in der Hauptstadt eine wichtige Rolle spielt.

Für das neue Jahr rechnen die meisten Fachleute mit einem deutlich beschleunigten Wachstum von bis zu zwei Prozent und einem weiteren Beschäftigungsrekord. „Ich rechne mit einem Zuwachs von rund 200 000 Stellen“, sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dem Tagesspiegel. „Einen großen Abbau bei der Arbeitslosigkeit werden wir allerdings nicht erleben.“ Die zusätzlichen Stellen werden Hüther zufolge vor allem von Menschen besetzt, die bislang nicht gearbeitet haben, außerdem von Zuwanderern. Viele Erwerbslose seien indes nicht genügend qualifiziert. „ Die Arbeitslosen, die schon integrierbar waren, sind integriert.“ Die Quote der Jobsuchenden wird demnach auf dem jetzigen Stand von rund 6,5 Prozent verharren. „Tiefer als fünf Prozent wird sie auch mittelfristig nicht sinken – das ist dann Vollbeschäftigung“, befand Hüther weiter.

Auch Bert Rürup, Exchef der fünf Wirtschaftsweisen, sieht einen „verhärteten Kern der Arbeitslosen“. Er schlägt vor, ihre Qualifikation und ihre regionale Mobilität stärker zu fördern. Auch müssten die Zuverdienstregeln für Hartz-IV-Empfänger geändert werden – viele arbeiten zwar, oft aber nur in einem Minijob. Rürup: „Derzeit sind die ersten 100 Euro frei, dann werden 80 Prozent des verdienten Lohns angerechnet. Es müsste aber genau umgekehrt sein, um Beschäftigung attraktiver zu machen.“

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben