Zeitung Heute : Das kostet Energie

Anselm Waldermann

Angela Merkel lud am Montag zum Energiegipfel. Dabei ging es auch um den Energiemix der Zukunft. Wie werden sich künftig die Strom-, Gas- und Heizölpreise entwickeln?


In den vergangenen Jahren kannten die Energiepreise nur eine Richtung – steil nach oben. Für Strom mussten die Verbraucher im vergangenen Jahr 18 Prozent mehr bezahlen als noch 1998, bei Gas betrug die Teuerung knapp 50 Prozent, bei Heizöl waren es sogar 133 Prozent. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen: „Es gibt keine Argumente dafür, dass die Energiepreise bis 2020 sinken sollten“, sagt Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Auch der Energiegipfel, zu dem Kanzlerin Angela Merkel am Montagabend geladen hatte, dürfte den Preisanstieg nach Ansicht von Fachleuten kaum bremsen. Der Grund ist simpel: Schließlich hat die deutsche Politik keinen Einfluss auf die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas. International hingegen steigt die Nachfrage – und damit der Preis. „Das Einzige, was der Energiegipfel theoretisch bewirken könnte, wäre mehr Wettbewerb innerhalb Deutschlands“, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. „Aber danach sieht es nicht aus.“ Das mache allein schon die Teilnehmerliste deutlich: Sie wird dominiert von den Chefs der großen Energiekonzerne, Verbraucherschützer sind kaum vertreten.

Peters ist deshalb „skeptisch, ob die Kunden etwas davon haben werden“. Im Gegenteil: Was die Energiepreise der Zukunft betrifft, sieht er schwarz. Allein beim Erdgas rechne er bis 2020 mit einer „Vervielfachung“ des heutigen Preisniveaus. „Wenn es bei einer Verdreifachung bleibt, haben wir Glück“, sagt er. Ähnlich sei es beim Öl; nur beim Strom gibt sich der Verbraucherschützer etwas optimistischer – weil die heimische Kohle und die erneuerbaren Energien eher preisdämpfend wirken würden. Insgesamt werde Strom in 15 Jahren aber trotzdem „deutlich teurer sein als heute“.

Frondel vom RWI sieht das ähnlich. Und er nennt noch einen Grund für weiter steigende Strompreise – den Atomausstieg. „Billiger als Kernkraft aus abgeschriebenen Kraftwerken geht es kaum“, sagt er. Die Erzeugungskosten lägen bei „maximal ein bis zwei Cent je Kilowattstunde“. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Energieträger sind es rund fünf Cent. „Wer aus der Kernkraft aussteigt, verteuert den Strom also deutlich“, sagt Frondel. Sollten die bestehenden Kernkraftwerke zum Beispiel durch neue Kohlekraftwerke ersetzt werden – worüber auf dem Energiegipfel diskutiert wird –, dann verursache das hohe Investitionskosten. „Die werden natürlich auf den Strompreis umgelegt“, sagt Frondel.

Den Verbrauchern rät der Experte daher, ihr eigenes Verhalten beim Energieverbrauch zu überdenken. „Nur so lassen sich die steigenden Energiepreise verkraften“, sagt Frondel. Natürlich müsse man nicht sofort eine neue Waschmaschine erwerben. „Aber beim nächsten Kauf sollte man den Energieverbrauch schon im Auge behalten.“

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