Zeitung Heute : Das lässt Karriereherzen höher schlagen

Nützliche Geschenke können auch Spaß machen

a. Fahrendorf / K. Wilke

„Unser Großer soll zu Weihnachten etwas Nützliches kriegen“, denkt sich Tante Gerdaund kauft zum wiederholten Mal einen melierten Schlips – dieses Jahr in Mauve. Damit hält sie die Krawattenindustrie in Schwung, erfreut ihren aufstrebenden Großen jedoch wenig. Tante Gerda könnte auf das Standardpräsent verzichten und gleichwohl ihrem Prinzip der Nützlichkeit die Treue halten. Ein Karriereherz höher schlagen zu lassen, ist doch eigentlich gar nicht so schwierig …

Spiele. Zum Handwerkszeug eines Karrieristen gehören schnelle Auffassungsgabe, hohe Konzentrationsfähigkeit und ein gutes Gedächtnis – alles Qualitäten, die sich im Handumdrehen verbessern lassen. Die zehn Gesellschaftsspiele aus der „think“-Reihe vom Spieleverlag Ravensburger bieten Aufstiegswilligen ein anspruchsvolles Mentaltraining. So kann man etwa mit „Paternoster“ (10 Euro 95) seine Vergesslichkeit vergessen lernen … Und war da nicht noch ’was anderes? Ach ja, das „Managerspiel“ (39 Euro 90) von Hanser. Das schärft den Verstand für Konfliktlösungsstrategien und ist keinesfalls nur für Manager geeignet. Jurastudenten freuen sich über „lex complex“ (25 Euro 51) von S. Hirzel. Beim Spiel prägt sich der Examensstoff karrierebewußten Anwälten in spe ganz nebenbei ein. ( www. ravensburger.de , www.hanser-extra.de , www.hirzel.de )

Coaching und Co. Vor einiger Zeit hätte es mancher noch als Beleidigung empfunden, eine Imageberatung, einen Benimmkurs oder ein Coaching geschenkt zu bekommen – als ob man das nötig hätte … In diesem Jahr aber stehen derlei Beratungen ganz oben auf dem Wunschzettel der Aufsteiger. Schließlich ist nichts so hilfreich für die Karriere wie das Wissen um die eigenen Stärken und den Weg, den man einschlagen möchte. Das gilt nicht nur für Berufsanfänger. Wer schon einige Berufsjahre hinter sich hat, besitzt oft einen Kleiderschrank voller Gewohnheiten, die nicht alle von Vorteil sind. Ein neues Image kann das Selbstvertrauen nachbessern, aus einer beruflichen Sackgasse heraushelfen oder ermöglichen, endlich Spaß an lausigen Stehempfängen und Intellektuellenpartys zu entwickeln. „Wer sich in Gesellschaft begibt…) von Elisabeth Binder zeigt auf, wie man sogar große Galas meistern kann. (Argon Verlag, Zürich 2003, 18 Euro 90, www.typcolor.de , www.managerseminare.de )

Lese stoff. „Business Class, Geschichten aus der Welt des Managements“ von Martin Suter klingt zwar nach einem Sachbuch, ist es aber nicht. Die Kolumnensammlung gewährt einen vergnüglichen Einblick in die erweiterte Kampfzone der Führungsetagen. Das lockert das Zwerchfell, auf jeden Fall heben sich die Mundwinkel. Die Lektüre der 75 Einzelgeschichten ist bestens geeignet, dem Alltag (noch) in den Niederungen des Managements für jeweils drei Leseminuten zu entrinnen – und sich mental auf eine etwas schwerere Kost einzustellen. Nach wie eine Geschenkidee der besseren Art ist „Bildung“ von Dietrich Schwanitz. „Alles, was man wissen muss“ heißt es nicht umsonst im Untertitel des zum Standardwerk aufgestiegenen Gebrauchsbuchs mit 697 Seiten (Diogenes, Zürich 2002, 8 Euro 90; Goldmann, München 2002, 10 Euro).

Hörbücher. Die bequemste Art des Lesens ist das Hören. Das haben auch immer mehr Managementliteratur-Verlage erkannt und bringen Ratgeber und andere Literatur als Hörbücher auf den Markt. Wer viel mit Auto, Bahn oder Flieger unterwegs ist, wird so ein Geschenk zu schätzen wissen. Vom Klassiker „Führen, Leisten, Leben“ von Fredmund Malik bis zu den „Geldgeschichten“ von André Kostolany gibt es eine reiche Auswahl.

Bleibt nur noch die Frage, woher der Große in Zukunft seine Schlipse kriegt, wenn Tante Gerda dieses Jahr geschenkemäßig umschwenkt …

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