Zeitung Heute : Das Mailänder Opernhaus und die Proben zu Wagners "Götterdämmerung"

Raoul Fischer

Richard Wagners "Götterdämmerung" ist für jedes Opernhaus eine Herausforderung. Wenn aber die Aggregate für eine eigens angefertigte Drehbühne so laut sind, dass die Musiker nicht proben können, stellt das selbst die Mailänder Scala vor beinahe unlösbare Probleme. "So kann ich keine Oper machen", stellt Chefdirigent Riccardo Muti fest. Und das kurz vor der Premiere. Aber wie so oft findet sich auch hierfür an der Mailänder Scala eine Lösung.

Heute, um 23 Uhr 30, strahlt das Erste einen Film über die Oper aus: "La Scala und die Magie des Goldes" von Christian Rischert. 1776 bis 1778 wurde sie auf dem Gelände der Kirche Santa Maria della Scala erbaut. Bis heute revolutionär: die hängende und somit schwingende Decke, die den hinteren Rängen eine bessere Akustik beschert, als den Besuchern in den Logen. Vom Fundus bis zur Arbeit der Requisiteure, Beleuchter, Musiker etc. lässt der Film den Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen werfen. Aber Rischert erzählt auch die "Götterdämmerung", die den Abschluss von Wagners Tetralogie "Der Ring der Nibelungen" bildet. 1998 wurde die Saison damit eröffnet.

Eine ur-deutsche Oper an der Hochburg italienischen Bellcantos? Die italienische Presse war kritisch und das hat Tradition. Immerhin war Giuseppe Verdi (1813 bis 1901), Hauskomponist der Scala und Schöpfer vieler großer Opern von Aida bis zu Nabucco, zu seiner Zeit der größte Konkurrent Wagners und nicht erfreut über den neuen Stil aus dem Norden. Muti äußert sich im Interview zum Verhältnis Wagner-Verdi.

"Die Scala und die Magie des Goldes": während der ersten Hälfte sind die Erzählstränge - Geschichte der Oper, Arbeit, Inhalt des Werkes und Deutung - kunstvoll verwoben. Danach gerät der Film zunehmend zu einer sozialkritischen Deutung der "Götterdämmerung", in der es um die Gier nach Gold und Macht geht. Vor allem, als die Begegnung des feinen Premierenpublikums mit protestierenden Umweltschützern vor der Oper minutiös ausgekostet wird, wünscht man sich, der Film hätte etwas mehr vom Leben und der Arbeit an der Skala erzählt. Nach 100 Minuten weiß der Zuschauer immer noch nicht, wie das Problem der lärmenden Aggregate für die Drehbühne gelöst wurde.

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