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Zeitung Heute : Das nächste Führungsproblem für Henkel

15.11.2012 00:00 Uhrvon
„Einen Neuanfang“ will Claudia Schmid möglich machen. Foto: dapd Foto: dapdBild vergrößern
„Einen Neuanfang“ will Claudia Schmid möglich machen. Foto: dapd - Foto: dapd

Nach der zweiten Schredderpanne bittet die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes um Versetzung.

Berlin - Die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, hat ihr Amt aufgegeben. Das teilte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Mittwoch im Beisein Schmids im Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses mit. Schmid zog damit die Konsequenzen aus zwei Affären um gesetzeswidrig vernichtete Akten. Den zweiten Vorgang, bei dem es um Erkenntnisse über das rechtsextreme Musiknetzwerk „Blood and Honour“ ging, hatte sie am Dienstag bekannt gemacht. Laut Henkel hat Schmid ihn um Versetzung geben. Sie wolle einen Neuanfang möglich machen.

Henkel dankte Schmid für ihre Arbeit und erinnerte daran, dass sie den Verfassungsschutz in einer Krise übernommen und grundlegend reformiert habe.

Dabei habe sie einen „hervorragenden Job“ gemacht. Der Innensenator, der wegen diverser Pannen bei Berliner Sicherheitsbehörden seit Wochen in der Kritik steht, will einen „kontrollierten Neuanfang“ im Verfassungsschutz, sieht dies indes als „längerfristige Aufgabe“. Henkel setzt dabei vor allem auf die Rotation von Mitarbeitern. Damit will er verhindern, dass sich Strukturen zu sehr verfestigen. Ein Problem der Berliner Sicherheitsbehörden besteht offenbar darin, dass Kenntnisse etwa über den Einsatz von V-Leuten nicht weitergegeben werden. Henkel sprach von Fehlern und Versehen, die zu den Schredderaktionen geführt hätten. Das „verheerende Gesamtbild“ könne nicht ohne Folgen bleiben. Im Gespräch ist auch die Wahl eines Vertrauensmanns, der im Auftrag der Abgeordneten Sachverhalte untersucht.

Henkel hatte zur Klärung der Aktenvernichtungsaktionen einen „Sonderermittler“ eingesetzt. Der Staatsanwalt soll bis zum Jahresende herausgefunden haben, was beim Verfassungsschutz schiefgegangen ist und welche Erkenntnisse verloren gegangen sind.

Schmid hörte zum Abschied Komplimente für ihre Arbeit aus allen Fraktionen. Sicherheitspolitiker von der CDU bis zu den Piraten lobten ihre Offenheit und ihren Stil im Umgang mit den Abgeordneten. Politiker der Linken kritisierten, dass Henkel seine Verantwortung auf Schmid abwälze. Vor Schmid waren seit dem Sommer bereits vier Verfassungsschutz-Chefs wegen der Pannen in ihren Behörden im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Terror-Trio NSU zurückgetreten: der Präsident des Bundesamtes, Heinz Fromm, sowie die Leiter der Landesämter in Thüringen, Thomas Sippel, in Sachsen, Reinhard Boos, sowie in Sachsen-Anhalt, Volker Limburg.

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