Zeitung Heute : Das neue Holländische Viertel

Im Norden von Potsdam entsteht ein kleiner Ort mit Häusern in traditioneller niederländischer Giebelarchitektur

Jörn Pestlin

WOHNEN IM GRÜNEN: NEUE SIEDLUNGEN AN DEN RÄNDERN DER STADT

Bauen im holländischen Stil hat in Potsdam eine lange Tradition. Im Jahr 1732 beauftragte Friedrich Wilhelm I. den jungen holländischen Schiffsbaumeister Jan Bouman mit der Errichtung eines ganzen Stadtviertels auf Potsdams sumpfigem Baugrund. Das „Holländische Viertel“ ist bis heute ein außerhalb der Niederlande einzigartiges barockes Quartier. An diese Tradition will ein Bauherr im Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld anknüpfen und plant im Norden der Landeshauptstadt ein neues Holländisches Viertel.

Bauherr ist die Raiffeisen-Nord-Wohnungsbau GmbH. Anders als der Soldatenkönig rekrutierte die Firma ihre Architekten und Bauleute zwar nicht in Amsterdam. Dennoch stand typisch holländische Giebelarchitektur Pate bei der Gestaltung des „Frederiken-Viertels“. Holländische Anleihen machte der Bauherr aus dem niedersächsischen Freren auch bei Namensgebung und Materialwahl: Delft, Nordwik und Ameland heißen die roten Klinkerhäuser für die neue Siedlung in Potsdams jüngstem Stadtteil.

Das Baufeld schließt an die westliche Grenze des BUGA-Parks an und ist 14000 Quadratmeter groß. Bis Mitte nächsten Jahres sollen dort 24 „holländische“ Doppelhäuser entstehen. Das städtebauliche Konzept stammt von der Onnen Immobilienentwicklung aus Oldenburg. Die Planer legten im Herzen der Siedlung einen kleinen Teich an, umgeben von Bäumen und Sträuchern.

Drei Haustypen mit jeweils zwei Etagen und einem ausgebautem Dachgeschoss stehen zur Auswahl im „Frederiken-Viertel“. Ein Keller gehört nicht zur Ausstattung, ist auf Wunsch aber erhältlich. Fast alle Häuser verfügen über eine Garage oder einen Carport. Bei Grundstücksgrößen zwischen 226 und 260 Quadratmetern bleibt Platz für eine Terrasse und einen kleinen Garten. Über die Zahl und die Größe der Räume kann der Käufer mitentscheiden: Bis zu elf unterschiedliche Grundrissvarianten gibt es pro Haustyp.

Die Doppelhaushälften verfügen über eine Wohnfläche von 115 bis 160 Quadratmetern. Rechnet man Wohn- und Abstellräume hinzu, dann beläuft sich die Nutzfläche auf bis zu 175 Quadratmeter. Der Preis für ein Haus vom Typ Delft beispielsweise beträgt einschließlich Baugrundstück und einem Anteil an der gemeinschaftlichen Grünfläche 315000 Euro. Für kleineres Geld, 239000 bis 275000 Euro, gibt es bezugsfertige Doppelhaushälften ohne Keller. „Bezugsfertig“, sagt Verkäufer Klaus Böhler, „heißt im Unterschied zu schlüsselfertig, dass in dem Haus auch Maler- und Fußbodenarbeiten erledigt sind.“ Nur den Garten muss der Käufer noch selbst anlegen.

Geheizt werden die Häuser mit Fernwärme aus dem Potsdamer Netz. Auf Wunsch und gegen Aufpreis rüstet der Bauherr eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung nach. Auch ein System zur kontrollierten Raumlüftung sowie eine Anlage zur Regenwassernutzung sind erhältlich.

Bisher sind neun der 24 Doppelhäuser im „Frederiken-Viertel“ im Bau oder bereits von den Bewohnern bezogen. Am beliebtesten ist der Haustyp Delft. Trotz der Flaute am Immobilienmarkt hält der Bauträger an seinem Ziel fest, die Siedlung bis Mitte 2004 fertig zu stellen. Dabei glaubt nicht einmal Vertriebsmitarbeiter Gerd Andre, dass in diesem kurzen Zeitraum Käufer für alle Häuser zu finden sind. Für die Bewohner der Siedlung ist das Versprechen des Bauherrn allerdings ein Trost: Das Leben auf der Baustelle, Staub und Lärm, haben in absehbarer Zeit ein Ende.

Allerdings ist dieser „Vorratsbau“ für die Raiffeisen-Nord-Wohnungsbau mit wirtschaftlichen Risiken verbunden. In der benachbarten Siedlung „Kirschgärten am BUGA-Park“ steht die Hälfte der 44 Reihenhäuser seit über einem Jahr leer. In der angrenzenden ökologischen Musterhaussiedlung sieht es nicht besser aus: Lediglich vor sechs der 19 Eigenheime stehen Mülltonnen, die anderen Reihenhäuser scheinen unbewohnt. Dennoch ist Leerstand an diesem Standort nicht programmiert: Auf einem weiteren Baufeld in der Nachbarschaft sind alle 60 Reihen- und Doppelhäuser bewohnt.

Daher wirbt Vertriebsmann Böhler auch unverzagt: Nicht nur die Architektur der Häuser und die grüne Lage, sondern auch die Infrastruktur des Bornstedter Feldes spreche für das „Frederiken-Viertel“. Einen Kindergarten gebe es gleich um die Ecke, bis zur Grundschule seien es fünf Minuten Fußweg, und mit der Straßenbahn fünf Minuten bis zur Potsdamer Innenstadt.

Dies dürfte die Bewohner des Bornstedter Feldes jedoch über einen großen Nachteil ihrer Siedlung kaum hinwegtrösten: Einkaufen können sie hier nicht, nicht einen einzigen Laden gibt es. Doch das soll sich bald ändern. An der Nedlitzer Straße kündigt ein Lebensmittel-Discounter auf einem großen Bauschild die Öffnung einer Filiale an.

Musterhaus: Erich-Mendelsohn-Allee 63, Infos: (0331) 2373797, Internet: www.frederiken-viertel.de . Infos zu weiteren Bauten im Entwicklungsgebiet: (0331)271980 oder www.bornstedter-feld.de

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