Zeitung Heute : Das New Yorker Alternativblatt wechselte seinen bisherigen Eigentümer Stern Publishing

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Die "Village Voice", das bekannteste Alternativblatt der USA, ist verkauft worden. Die in New York erscheinende Wochenzeitschrift ging zusammen mit sechs anderen US-Alternativblättern für schätzungsweise 150 bis 160 Millionen Dollar vom bisherigen Eigentümer, Stern Publishing, an die "Village Voice Media". Diese wird von Artur Howe, einem Unternehmer aus Philadelphia, geleitet. Finanziert wurde der Deal von einer in New York ansässigen holländische Investorengruppe, der der Finanzdienstleister Weiss, Peck & Greer und die Kanadische Imperial Bank of Commerce angehören. Der Kauf soll im Februar rechtskräftig werden. Der bisherige "Voice"-Herausgeber, David Schneidermann, wird Geschäftsführer.

In der Redaktion ist die Stimmung eher erleichtert, denn dem Verkauf an die Investorengruppe unter Howe und Schneiderman war - wie die "Voice" in ihrer neuesten Ausgabe schreibt -, der Versuch einer "feindlichen Übernahme" vorausgegangen: Die in Phoenix / Arizona ansässige "New-Times"-Gruppe, eine Kette alternativer Wochenzeitungen, wollte die Voice und ihre Schwesterblätter ebenfalls kaufen. Das hätte New Times zum Alternativ-Monopolisten gemacht. Leonard Stern, Eigentümer von Stern Publishing, hatte dies jedoch ablehnt, wegen der "Blutbad-Handschrift", die die Übernahmen anderer Zeitungen durch New Times bisher gekennzeichnet habe.

Die "Village Voice" hat eine bewegte Vergangenheit. 1955 wurde sie von drei New Yorkern gegründet, um kritischem, konzernunabhängigem Journalismus ein Forum zu geben. Die "Voice" stieg zur wichtigsten Stimme des linken Amerika auf, hatte ein kritisches Auge auf New Yorker Politik und wurde unverzichtbarer Veranstaltungskalender für Manhattan. Die Zeitschrift bekam zwei Pulitzer-Preise, Autoren wie Henry Miller und Allen Ginsberg schrieben für sie. Seit 1996 - unter Konkurrenzdruck des Internet, aber auch anderer Veranstaltungsblätter - wird die "Voice" in Manhattan kostenlos verteilt, damit stieg ihre Auflage von 120 000 auf über 250 000. Ihr Gewinn soll laut "New York Times" bei fünf Millionen Dollar im Jahr liegen.

Stern hatte die "Voice" 1985 für 55 Millionen Dollar erworben, die anderen Zeitschriften - darunter "L.A. Weekly", "Seattle Weekly" - in den Jahren darauf. Zwischendurch hatte die "Voice" sogar dem australischen Pressezaren Rupert Murdoch gehört.

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