Zeitung Heute : Das Paradies für Blütenjunkies liegt in Bremen

Wer jetzt durch den Bremer Rhododendronpark spaziert, hat schnell die Nase voll. Denn in der zweiten Maihälfte breitet sich auf 46 Hektar eine betörende Duftwolke aus. Mal belagern schwere Honigaromen die Nase, mal kitzeln würzige Noten die Riechnerven.

Hauptblütezeit in Deutschlands größtem Rhododendronpark. Sein wissenschaftlicher Leiter Hartwig Schepker platzt fast vor Stolz. „Eine Oase der Sinne“, sagt der Biologe über den Park, der vor 75 Jahren gegründet wurde.

Allein in diesen Tagen pilgern rund 170 000 Blütenjunkies in den Park, der nicht nur unter Rhododendron-Fans als Gartenjuwel gilt. Jährlich sind es mehr als 300 000. Es ist das berühmt-berüchtigte Bremer Schmuddelwetter, das die Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse hier so verschwenderisch blühen lässt. Denn mit seinen verhältnismäßig kühlen und feuchten Sommern, den milden Wintern und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit bietet das Klima dem Rhododendron (griechisch für „Rosenbaum“) ideale Bedingungen.

Auch wenn der Windsor-Park in London noch größer ist: Nirgendwo in der Welt wird die Pflanzengattung der Rhododendron laut Schepker so vollständig präsentiert wie in Bremen. Hier wachsen etwa 600 der 1000 bekannten Rhododendronarten, Spaziergänger können 1800 Rhododendron- und etwa 1400 Azaleensorten bewundern. „Eine botanische Schatztruhe ersten Ranges“, bilanziert Schepker. Das alles unweit vom Ammerland, dem Zentrum der deutschen Rhododendronzucht im nordwestlichen Niedersachsen. Der Park entstand auf Initiative der ebenfalls in Bremen gegründeten Deutschen Rhododendron-Gesellschaft auf einem verwilderten Gelände unter Eichen, Buchen und Fichten. Am 5. Juni 1937, während der damaligen Hauptblütezeit, öffneten sich die Tore.

Heute durchläuft eine Eichenallee den Park von Ost nach West, Sträucher und Bäume formen einen langen Tunnel. Meterhohe Blütenwände und lange Sichtachsen gehören zu den herausragenden Merkmalen in den ältesten Parkteilen.

Was die Blühsaison angeht, so registriert der 48-jährige Schepker auch in seinem Park die Folgen der Erderwärmung: „Durch den Klimawandel blühen die meisten Pflanzen heute zwei bis drei Wochen früher.“ Darunter ist auch „Lady Eleanor Cathcart“ von 1836 in klarem Pink mit roten Tupfen. Sie ist noch älter als der Park selbst. Neben den Klassikern duften zugleich schrillbunte Neuzüchtungen, die aussehen wie moderne Kunst - 200 Jahre Kulturgeschichte einer Pflanze.

Das 75-jährige Bestehen des Rhododendronparks wird schwerpunktmäßig an diesem Wochenende (19. und 20. Mai) mit einem Fest gewürdigt, zu dem Führungen und Schnellkurse in Rhododendronpflege und -zucht gehören (www.rhododendronpark-bremen.de)

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