DAS PROGRAMM ZUM NATIONALFEIERTAG : Literatur, Kunst, Theater – und Feuerwerk Molke statt Molle

Immer mehr Deutsche begeistern sich für ein Gebräu aus der kleinen Gemeinde Rothrist: Rivella

Maris Hubschmid
Jünger. Comedian Michael Mittermeier ist das Gesicht zu Rivella in Deutschland. In Spots und auf Plakaten entdeckt der Bayer den Schweizer in sich. Foto: promo
Jünger. Comedian Michael Mittermeier ist das Gesicht zu Rivella in Deutschland. In Spots und auf Plakaten entdeckt der Bayer den...

DONNERSTAG, 28. JULI

Bereits heute findet das jährliche Schweizer Sommerfest des Literarischen Colloquiums am Wannsee mit Literatur und Musik aus der Schweiz statt. Es lesen Stefanie Sourlier, Christian Uetz und Matthias Zschokke. Musikalischer Gast ist der Jazz- Trompeter und Komponist Samuel Blaser. Eintritt sechs, ermäßigt vier Euro (Karten nur an der Abendkasse). Infos: www.lcb.de,

Tel. 030/816996-0.

AB FREITAG, 29. JULI

Vom 29. Juli bis 2. August präsentiert das Radialsystem V am Spreeufer nahe dem Ostbahnhof die vierte Auflage seines Festivals „Schweizgenössisch“ mit Musik, Tanz und Theater „zwischen Alpenidylle, skurriler Kreativität und Avantgarde“. Mit dabei sind Alphornmusikerin und Sängerin Eliana Burki (29. Juli, 18.30 Uhr) und Saxophonist Daniel Schnyder (29. Juli, 20 Uhr). Anschließend läuft „Faust – Stummfilm mit Live-Musik“. Unter dem Motto „Trommel mit Mann“ steht der Auftritt des Schlagzeugers Fritz Hauser (30. Juli, 20 Uhr); um 21.30 Uhr heißt es bei

Felix Klaus und Band
„March 15 – Keep it Low“.

Am 31. Juli findet ab zehn Uhr ein Familienbrunch mit Live-Musik statt. Außerdem treten die Compagnie „d’Schwyz tanzt“ (31. Juli, 20 Uhr), die Compagnie Drift (1. August, 20 Uhr) und Jürg Halter und seine Band Schule der Unruhe auf (1. August, 21.30 Uhr). Am 2. August spielen Flötistin Eva Oertle und Klarinettistin Karin Dornbusch. Infos, Karten und Preise:

www.radialsystem.de,

Tel. 030/288788588.

SONNABEND, 30. JULI

Am 30. Juli feiert der Schweizer Verein Berlin (s.o.) seinen 150. Geburtstag auf der Terrasse von Diekmanns Austernbar im Berliner Hauptbahnhof. Von zwölf bis 18 Uhr können Besucher Bekanntschaft mit der Alpenrepublik machen, etwa beim Käse-Schätzen oder Alphorn-Basteln. Es gibt Musik, eine Rettungshundevorführung, Comedy, Kulinarisches und ein Quiz.

Gegen 22.30 Uhr grüßt die Schweizerische Botschaft mit einem Feuerwerk über ihrem Gelände neben dem Bundeskanzleramt.

SONNTAG, 31. JULI

Am Sonntag feiert die Malzfabrik in Berlin-Schöneberg ihren 3. „Schwiiiiztag“. Von 16 bis 24 Uhr kann man Schweizer Köstlichkeiten probieren, Führungen durch die alte Mälzerei machen und einem „Art Firework“ beiwohnen. Parallel finden die Ausstellung „Urs Jaeggi – Kunst ist überall“ und die Vernissage der Ausstellung „Kult Zürich Aussersihl – ein Schmelztiegel“ mit Lesungen und Live-Konzert statt. Tel. 030/755124800, www.malzfabrik.de/schwiiiiztagTsp

Michael Mittermeier hat Angst: Eine ausländische Macht will Berlin unter ihre Herrschaft bringen. Ja, merkt es denn keiner? Der Komiker weiß, woran man die Invasoren erkennt. Sie hängen überall ein „-li“ dran. „Hörnli, Bänkli, Gipfeli... und jetzt nimm’ mal bei Berlin das „-li“ weg, was hast du dann?“ Genau. Bern.

Seit Anfang Juni wird dieser Werbespot im deutschen Fernsehen gezeigt. Es ist der zweite im Rahmen einer groß aufgezogenen Kampagne, mit der der beliebte Bayer die Deutschen für eine Neuheit auf dem Deutschen Markt sensibilisieren soll: Rivella, das alkoholfreie Nationalgetränk der Schweiz, steht seit dem Frühjahr auch in Berliner Ladenregalen. In den Versionen rot (klassisch), blau (kalorienarm) und grün (mit Grüntee-Extrakten).

Dabei ist Rivella nicht bloß eine weitere Limonadenmarke. Sie besetzt eine eigene Nische. Rivella ist mehr Fassbrause als Fanta, mehr Apfelschorle als alkoholfreies Bier, und doch mit nichts zu vergleichen. Selbst den Schweizern fällt es schwer, ihren Geschmack zu beschreiben. „Nicht zu süß, fein und nicht zu aufdringlich, mit einem angenehmen Kohlensäuregehalt, erfrischend und bekömmlich“, versucht es Axel Kuhn, Leiter des Auslandsgeschäfts bei Rivella. Was sie so besonders macht: Sie basiert auf einer Substanz, die Deutsche nur aus dem Molke- Drink kennen. Das Lactoserum ist ein Abfallprodukt der Käseherstellung.

Folglich fällt in der Schweiz genug davon an, wird sich Robert Barth vielleicht gedacht haben, der 1950 die Mischung patentieren ließ, die er in der Badewanne kreiert und nach dem italienischen Wort für Offenbarung, „rivelazione“, benannt haben soll. Ursprünglich setzte das zwei Jahre später von ihm gegründete Unternehmen ganz auf den Gesundheitswert der Erfindung. „Gilt es Ihren Magen nach der Arbeit in schlecht gelüfteten Räumen oder bei Bahn-, Auto- und Luftreisen zu beruhigen, dann trinken Sie ein bis zwei Glas Rivella und Sie sind wieder beisammen!“ proklamierten erste Plakate. Der entscheidende Durchbruch jedoch gelang, als Barth in den 1970er Jahren die Ski-Nationalmannschaft zu sponsern begann, die im Gegenzug vor der Kamera das Rivella-Lied sang.

Inzwischen trinken die Schweizer 87 Millionen Liter Rivella im Jahr, getoppt allein von Coca-Cola. Auch in Liechtenstein und Luxemburg ist das Getränk etabliert. Das größte Auslandsgeschäft gleichwohl macht das Unternehmen, das in der kleinen Gemeinde Rothrist seinen Sitz hat und noch immer in Familienbesitz ist, in den Niederlanden – mit der blauen Light-Version, die dort 1959 als erstes Leichtgetränk Europas eingeführt wurde.

In Deutschland, wo Rivella lange nur in vereinzelten Kaufhäusern zu bekommen war, konnte der Absatz 2010 um 60 Prozent gesteigert werden. Vornehmlich im schweiznahen Süddeutschland sowie in Hamburg und Berlin. Hier führen mittlerweile mehr als 800 Lebensmittelhändler und Gastronomiebetriebe den Schweizer Export, darunter Rewe, Kaiser’s und Edeka. „Der Berliner ist offen gegenüber Neuem. Entsprechend ist Rivella in der Hauptstadt gut aufgenommen worden“, sagt Geschäftsleiter Kuhn.

Für Berührungsängste gibt es auch keinen Anlass – dass nur Schweizer Gaumen Rivella genießen können, ist ein Gerücht, das sich angesichts der steigenden Nachfrage schwer halten lässt. Wahr ist allerdings: In der Schweiz bekommen frisch gebackene Mütter eine Gratisflasche zugeschickt. Die Schweizer nehmen das Spezial-Getränk also schon über die Muttermilch auf. So gesehen müssen wir Michael Mittermeier ausnahmsweise ernst nehmen: Wer derart strategisch vorgeht, dem sind Übernahmeabsichten durchaus zuzutrauen. Maris Hubschmid

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