Zeitung Heute : Das Projekt lässt auf sich warten - es hapert an der Finanzierung

Steffi Bey

Zwei Investoren wollen auf den Gipfeln der Stadt hoch hinaus. Das Areal am Müggelturm in Köpenick soll ebenso umgestaltet werden wie die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg im Grunewald. Doch die Höhenlage scheint die Arbeiten nicht zu beschleunigen: Beide Projekte verzögern sich. Von Bauarbeiten ist nichts zu sehen - auch wenn am Teufelsberg schon der Baubeginn verkündet wurde (siehe nebenstehender Beitrag). So gesehen liegt das Müggelturm-Projekt sogar noch weiter zurück - hier hapert es an der Finanzierung.

Seit einem Jahr ist auf dem höchsten Berliner "Berg" inmitten der Köpenicker Wälder so gut wie nichts passiert: Noch immer versprüht das Müggelturm-Areal den Charme der DDR-Zeit, obwohl eigentlich die Sanierungs- und Abrissarbeiten längst hätten begonnen werden sollten. Das hatte jedenfalls der langjährige Betreiber Wolfgang Gerber vor zwölf Monaten angekündigt. "Jetzt stehe ich wieder am Anfang", sagt der Köpenicker, "ich bin kein Stück vorwärtsgekommen." Gerber konnte weder einen Investor auftreiben, noch stellte ihm eine Bank den benötigten Kredit von 15 Millionen Mark zur Verfügung.

Wer sich an das Gerangel um das 4500 Quadratmeter große Areal auf den Müggelbergen erinnert, dem sind sicher noch ganz andere Worte in Erinnerung. Immer wieder hatte der promovierte Mathematiker bei der Vorstellung seines Müggelturm-Konzeptes betont, dass sowohl die Banken als auch die Investoren "in den Startlöchern stehen". Die Rede war von einer neuen Gaststätte, von einem kleinen Hotel und von moderner Technik, die künftig auf den Müggelbergen zum Einsatz kommt. War das alles übertrieben, um damals den Zuschlag von den Verantwortlichen im Bezirk und im Senat zu bekommen? "Natürlich nicht", widerspricht der Geschäftsmann. Doch viele Interessenten hätten erst im Laufe der Verhandlungen ihre wahren Pläne offengelegt. Ihnen sei es vornehmlich um "Event-Bereiche" und eine Art "Disneyland" gegangen, erklärt Gerber. Weil das aber den amtlichen Vorgaben für den sensiblen Landschaftsbereich widerspricht, musste sich der Köpenicker von diesen Investoren verabschieden.

Es gab auch andere, die von selber absprangen. Der 50-Jährige ist seit dem wieder auf der Suche. Auch von den Banken ist Gerber enttäuscht. "Ich habe sämtliche Forderungen erfüllt, sogar Eigenkapital durch eine Investorengemeinschaft in Höhe von drei Millionen Mark aufgebracht, aber die haben das Projekt Ende 1999 erst einmal auf Eis gelegt". Die Bank macht - wohl aus Gründen eines geringeren Risikos - ihre Zusage von der Beteiligung einer renommierten Hotelkette abhängig. Mit den "Großen" der Hotellerie hat der Köpenicker indes schlechte Erfahrungen gemacht. Die würden erst bei einer Kapazität von 300 Betten in das Projekt einsteigen, doch für die Müggelberge ist ein 60-Betten-Hotel geplant. Dennoch lässt er derzeit die Angelegenheit prüfen.

Gerber hat sich vor wenigen Tagen auch an Köpenicks Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) und an den Regierenden Bürgermeister gewandt und sie um Unterstützung gebeten. Doch Ulbricht ist der Auffassung, dass Gerber die Rolle der Politik in diesem Fall ein wenig überschätzt. "Ich habe als Bürgermeister wenig Einfluss auf die Banken", sagt der Rathauschef. Unterstützen könne er das Projekt nur, indem sich auch der Bezirk nach Investoren umschaue. Das will Ulbricht jetzt prüfen lassen. Er geht davon aus, dass es dann in den nächsten zwei Monaten Gespräche mit Gerber geben wird.

Wenn es zu keiner schnellen Lösung kommt, will der Müggelturm-Betreiber auch in diesem Jahr noch einmal die Besucher in den alten Gemäuern begrüßen. Der Turm kann nach wie vor besichtigt werden und bei schönem Wetter ist auch ein Kiosk geöffnet.

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