Zeitung Heute : Das Reisschüssel-Image abgelegt

Ingo von Dahlern

Er hatte stets Bestnoten, wenn es um Wirtschaftlichkeit, lange Lebensdauer und vor allem Zuverlässigkeit im Alltagsbetrieb ging - der Toyota Corolla. Und das trug entscheidend dazu bei, dass er allein auf dem deutschen Markt seit 1971 rund 770 000 Käufer fand. Kein Wunder, dass die deutschen Toyota-Händler sich glücklich schätzen, seit dem letzten Wochenende, wie bereits kurz berichtet, die neueste Generation dieses Bestsellers anbieten zu können. Das umso mehr, als zu den bekannten Qualitäten nun gleich ein paar ganz neue Aspekte hinzugekommen sind. Denn sowohl im Design als auch der Qualitätsanmutung und schließlich auch bei den Fahreigenschaften hat die neunte Generation des Corolla einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht.

Schon optisch knüpft der neue Corolla bei den Vorgaben an, die bereits vor zwei Jahren der sehr kompakte Toyota Yaris gemacht hat. Denn so konsequent wie der war bislang noch kein Toyota nach den Bedürfnissen des europäischen Marktes entwickelt worden. Nun hat diese Maxime auch beim neuen Corolla gegriffen. Denn statt eines rundum zwar ordentlichen aber im Auftritt recht beliebigen Massenautos ohne große Ausstrahlung zeigt der neue Corolla nun endlich Gesicht und Charakter. Das gilt nicht nur für die äußere sehr europäische Optik, sondern auch für das ebenso sorgfältig gestaltete Interieur und die hohe Qualität der Werkstoffe und deren Verarbeitung.

Und ein weiterer entscheidender Fortschritt sind schließlich die Fahreigenschaften des neuen Corolla. Der ist nicht nur, wie bisher, ein Auto, mit dem man stets zuverlässig von A nach B gelangen kann, sondern endlich auch ein Fahrzeug, das dabei ausgesprochene Fahrfreude bereiten kann. Auf eine kurze Formel gebracht heißt das, dass die neueste Corolla-Generation das bislang unverkennbare "Reisschüssel"-Image endlich abgelegt hat.

Front mit einer kleinen Nase

Geprägt wird der Auftritt sowohl durch die markanten Scheinwerfer als auch den Grill mit dem unübersehbaren Markenemblem am oberen Rand des Grills, an dem der Corolla eine ausgeprägte kleine Nase zeigt. Die Frontschürze darunter, die bis zu den Radausschnitten reicht, signalisiert Kraft und Dynamik und erlaubt es, an ihren unterschiedlich geformten Lufteinlässen und den Variationen des Grills bereits von vorn die verschiedenen Karosserievarianten des neuen Corolla zu erkennen. Zu denen gehört neben dem Steilheckmodell mit drei und fünf Türen, der klassischen Stufenhecklimousine und dem ebenso klassischen Kombi nun erstmals auch ein kompakter Minivan - der Corolla Verso, der angesichts einer Höhe von 1,61 Meter eine besonders hohe Front mit einem besonders großen Lufteinlass hat. Und Charakter wie die Front zeigt auch das Corolla-Heck mit seinen runden Schultern bei den Steilheck-Modellen und dem Verso und der ausgeprägten Abrisskante beim Stufenheckmodell. Im Interieur überzeugen die klaren Linien, die erstmals in dieser Klasse in hinterleuchteter Optitron-Technik ausgeführten Rundinstrumente, die hochwertigen Oberflächen und die Mittelkonsole mit der anspruchsvollen Alu-Carbon-Optik und vor allem die ganz neuen sportlichen Sitze mit ihren großen Sitzflächen, die zuverlässigen Seitenhalt geben. Und bis ins Detail sauber verarbeitet ist das Interieur in jeder der vier Ausstattungslinien.

Ein rassiger kleiner Sportler

Betont sportlich beim neuen Corolla sind die auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern mit Niederquerschnittsreifen der Dimension 195/55 stehenden TS-Versionen des Drei- und Fünftürers mit dem TS-Logo im Grill, die mit ihrem 1,8-Liter-Vierzylinder mit variablem Ventilhub (VVTL-i) und einer Leistung von 141 kW (192 PS) in Verbindung mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe mit maximal 225 km/h und nur 8,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 auch die schnellsten Corollas sind. Kompakte Sportler mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,3 l/100 km, die in Verbindung mit einer sportlich ausgelegten Variante des Corolla-Fahrwerks mit der vorderen Federbein-Achse und der hinteren Torsionslenker-Achse und der erstmals in der Klasse des Corolla in großer Serie verwirklichten dynamischen Dämpferkraft-Anpassung zeigen, welches Potenzial im Corolla-Fahrwerk steckt. Das verfügt bei diesen Spitzenmodellen auch über die elektronische Stabilitätskontrolle VSC, den Bremsassistenten und die Antriebsschlupfregelung TRC und macht den Corolla TS zu einem besondere Fahrfreude bereitenden Sportler, den man auch bei betont zügiger Fahrweise jederzeit sicher im Griff hat und der zudem uneingeschränkt alltagstauglich ist.

Fahrfreude bereiten können aber auch die weniger stark motorisierten Corolla-Versionen, deren Benziner durchweg über eine variable Ventilsteuerung (VVT-i) verfügen. Bereits der 71 kW (97 PS) leistende 1,4-Liter-Benziner als Basismotorisierung und der 81 kW (110 PS) leistende 1,6-Liter-Benziner machen mit bis zu 185 und 190 km/h und 12,0 und 10,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 den Corolla zu einem erfreulich flotten und agilen Auto, das mit Durchschnittsverbräuchen von 6,7 und 7,0 Liter auf 100 km zugleich sehr sparsam ist und zudem die deutsche Abgasnorm D4 mit den damit verbundenen Steuervorteilen erfüllt. Als dritter Benziner kommt im Corolla Verso der 1,8-Liter mit 99 kW (135 PS) zum Einsatz, der den Minivan binnen 9,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 185 km/h erreichen lässt - ein ausgesprochen flottes Auto also, das mit durchschnittlich 7,6 l/100 km alles andere als durstig ist, allerdings bei den Abgasen nur EU3 erfüllt. D4 erreicht dagegen der Verso mit dem 1,6-Liter-Benziner, der für den Spurt auf Tempo 100 zwar 10,2 Sekunden braucht, dafür aber mit 190 km/h der schnellste der Minvans ist und mit nur 7,3 l/100 km auskommt.

Mit nur 6,2 l/100 km noch sparsamer ist der Zweiliter-Common-Rail-Turbodiesel mit 66 kW (90 PS), der den Verso binnen 13,5 Sekunden Tempo 100 und maximal 170 km/h erreichen lässt. Zusätzlich mit einem Ladeluftkühler ausgestattet, leistet der Selbstzünder 81 kW (110 PS) und macht die Drei- und Fünftürer mit 10,9 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 185 km/h ausgesprochen flott und mit nur 5,8 l/100 km zugleich besonders sparsam. Zu den besonderen Merkmalen dieses modernen Direkteinspritzers gehört seine ausgesprochen kultivierte und leise Arbeitsweise. Neben dem Fünfgang-Schaltgetriebe für die verschiedenen VVT-i-Benziner und Diesel bietet Toyota für den 1,6-Liter-Benziner in der Ausstattungsversion linea sol und für den 1,8-Liter-Verso auch eine Viergang-Automatik an. Und gebremst wird bei allen Versionen mit vier Scheiben und einem ABS.

Schon Basisversion gut ausgestattet

Noch ein paar Worte zur Größe des neuen Corolla. Denn mit seinem um 13,5 Zentimeter auf nun 2,60 Meter verlängerten Radstand bietet er in allen Karosserievarianten vor allem im Fond spürbar mehr Platz und der Verso-Variante vor allem auch entsprechend viel Kopffreiheit. Bereits in der Basisversion Corolla C bietet Toyota eine umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung, zu der unter anderem vier Airbags, fünf Kopfstützen und fünf Automatikgurte mit Gurtkraftbegrenzern und Gurtstraffern vorn, Isofix-Kindersitzbefestigungen hinten, das Schleudertrauma-Schutzsystem, eine Servolenkung, ein höhenverstellbares Lenkrad, vier Scheibenbremsen mit ABS und elektronischer Bremskraftverteilung und ein RDS-Radio gehören. In der als Corolla bezeichneten nächsthöheren Ausstattungsstufe kommen unter anderem elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrisch einstellbare beheizbare Außenspiegel und in Verbindung mit dem 1,6-Liter-Benziner auch das Stabilitätsprogramm (VSC) mit Bremsassistent und Traktionskontrolle hinzu. Lederlenkrad, Klimaautomatik, CD-Player, Alu-Carbon-Applikationen und viele weitere Komfortdetails bietet schließlich die Spitzenausstattung linea sol.

Die Preise für den neuen Corolla beginnen bei 13 550 Euro und 14 200 Euro für den Drei- und Fünftürer mit 1,4-Liter-Motor, 14 700 Euro für den Combi und 14 650 Euro für die - allerdings erst später im Jahr kommende - Limousine und reichen bis zu 23 245 Euro für den fünftürigen Corolla 1,8 TS. Für den Verso reicht die Preisspanne von 17 950 bis zu 22 290 Euro.

Toyota will vom neuen Corolla in diesem Jahr rund 40 000 Exemplare, davon rund ein Viertel Verso-Versionen und rund ein Fünftel Diesel, verkaufen - ein Ziel, das angesichts der hohen Qualität dieser neuen Modelfamilie mit ihren vielen Pluspunkten sehr realistisch erscheint.

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