Zeitung Heute : Das Schicksal der Dinosaurier

Ein Pionier des Computerzeitalters versucht derzeit alles, um dem Schicksal der Dinosaurier zu entgehen und auszusterben.Das amerikanische Unternehmen Hayes , dessen Gründer Dennis Hayes vor 20 Jahren das Modem für Personalcomputer zur Datenübertragung erfand, steht zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren unter Gläubigerschutz, also wieder einmal vor dem Konkurs.Ob er überleben kann, wird sich in diesen Wochen zeigen.

"Wir hoffen, daß wir viele der offenen Fragen klären können", formuliert Firmenchef Ron Howard vorsichtig.Das Unternehmen mit Sitz in Norcross im US-Staat Georgia beantragte am 9.Oktober, vor Forderungen der Gläubiger geschützt zu werden, um Zeit für eine Reorganisation und Verhandlungen zu bekommen.Daß Hayes dies innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal tun mußte, verbessert die Chancen nicht gerade.

Innerhalb kurzer Zeit mußte Hayes mehrere hundert Mitarbeiter entlassen.Ihre Zahl sank von 1 200 auf weniger als 450.Howard, dessen Firma Access Beyond erst im vergangenen Jahr mit Hayes fusionierte, spricht von einem Übergang der alten Firma Hayes zur neuen.Sie soll sich ganz auf die digitale Technik und andere zukunftweisende Technologien konzentrieren.Der Absatz des neuen 56-Kilobit-Modems von Hayes läuft aber nicht wie erwartet, die Asienkrise tat ein übriges.Im ersten Halbjahr summierten sich die Verluste auf 17,6 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 77,2 Millionen.Im Vergleichszeitraum des Vorjahres erreichte der Wert der verkauften Geräte noch 94,9 Millionen Dollar.

Dennis Hayes, der weiter im Aufsichtsrat der Firma ist, war 29 Jahre alt, als er 1978 mit seinem Partner Dale Heatherington daheim auf dem Küchentisch das erste Modem für den privaten Gebrauch entwickelte.Er gründete noch im selben Jahr seine Firma und schnell war Hayes ein Markenname und "Hayes-kompatibel" ein Standard wie IBM bei Hardware oder heute Microsofts Windows bei den PC-Betriebssystemen.1985 erreichte der Umsatz 120 Millionen Dollar.Danach ging es aber langsam bergab, auch privat: 1988 kam es zur kostspieligen Scheidung von seiner Frau Melita.

1994 suchte Hayes das erste Mal Schutz vor Gläubigern, um 1996 reorganisiert weitermachen zu können.Er ist nach wie vor der größte Aktionär der Firma mit einem Kapitalanteil von 38 Prozent.Während die Zukunft der Firma noch völlig offen ist, bietet sie zum 20.Jahrestag ein Produkt mit hohem Erinnerungswert an - die limitierte Sonderauflage eines 56-Kilobit-Modems mit der persönlichen Unterschrift von Dennis Hayes.

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