DAS SPIELE ICH : Heilmittel gegen das Chaos

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Brian Ferneyhough, Komponist

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FOTO:  DYLAN COLLARDKai Bienert

Brian Ferneyhoug greift in „Dum Transisset I–IV after Christopher Tye“ auf eine Reihe polyfoner Stücke des Renaissancekomponisten Tye zurück. (d. Red.)

In „Reliquary“ werden die flüchtigen Fragmente von Tyes ursprünglichem Material nur als Vorschlagsnoten innerhalb einer umschließenden Struktur gehört, die überhaupt nicht von Tye abgeleitet wird. Erst in der zweiten Hälfte des Satzes beginnen diese Figuren allmählich Konturen anzunehmen. „Totentanz“ mit seinen sich schnell ändernden Techniken und Strukturen, ist ein „schwarzes Scherzo“, inspiriert von Kirchenfresken, die den Tod beim Tanz mit seinen Opfern zeigen. „Shadows“ lässt die Quellenmaterialien in vielen verschiedenen Formen in den Vordergrund treten, aber immer verschleiert und immateriell, eine leuchtend-schattenhafte Traumsequenz. Da das Choralfragment, auf dem die Tye-Stücke basieren, weder besonders profiliert noch bemerkenswert ist, erlaube ich mir – vielleicht etwas respektlos –, eine Reihe von möglichen „Verbesserungen“ vorzuschlagen. Da sich keiner dieser Versuche als besonders stabil erweist, verklingt das Werk in einem leicht verwirrten und bangen Versuch, Tye-Stoffe als Heilmittel gegen den Ausbruch von Chaos zu empfehlen.

MaerzMusik: Das Arditti String Quartet spielt Ferneyhough u. a., 22.3., Kammermusiksaal

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