Zeitung Heute : Das steht in den Zahlen

Michael Schmidt

Umfragen zeigen ein undeutliches Bild: Der SPD laufen die Wähler davon, das Team Schröder/Fischer aber liegt vor seinen Herausforderern von Union und FDP. Wie kommt es zu solchen Widersprüchlichkeiten?

Heute hü, morgen hott. Wie verlässlich sind Umfragen, wenn es gestern heißt, die regierende SPD sei in einem historischen Stimmungstief und heute verkündet wird, die Sympathiewerte des Duos Schröder/Fischer seien höher als die von Merkel/Westerwelle? Darauf gibt es zwei Antworten, eine technische und eine inhaltliche.

Die technische zielt auf die in der Umfrage gestellte Frage und ihre Formulierung. Antworten fallen unterschiedlich aus, je nachdem, ob gefragt wird, „Wie finden Sie Schröders Hartz-IV-Politik?“ oder aber „Wen hätten Sie lieber als Kanzler und Außenminister: Schröder/Fischer oder Merkel/Westerwelle?“ Und es macht eben einen Unterschied, ob nach Sympathiewerten für Personen oder Zustimmungswerten zu Parteien gefragt wird. So steht Schröder mit aktuell 44 Prozent Zustimmung wie in den zurückliegenden Jahren (allerdings auf niedrigerem Niveau) weit besser da als seine Partei, die bei 26 Prozent liegt. Diese Kluft birgt Gefahren für die Beteiligten, kann aber in der Praxis auch zum Erfolg für beide Seiten führen: 1998 hat Schröder der SPD zum Wahlsieg gegen Helmut Kohl verholfen, 2002 gegen Edmund Stoiber. 2006 allerdings könnte es so sein, dass die schlechte Verfassung der SPD eine Wiederwahl Schröders verhindert.

Weniger unvereinbar erscheinen manche Umfrageergebnisse auch im Lichte der inhaltlichen Antwort: Für Manfred Güllner etwa, den Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, zeigen die Umfrageergebnisse „ein durchaus stimmiges Bild“. Eine Mehrheit der Menschen akzeptiere die grundsätzliche Weichenstellung der Agenda 2010, sei aber über einzelne Maßnahmen wie die Praxisgebühr verärgert. Beunruhigend und von der Politik sehr ernst zu nehmen, weil die gefährdete Demokratie offenbarend, sind nach Güllners Einschätzung Umfrageergebnisse, die zeigen: Es herrscht das Gefühl, keine Alternative zu haben: „Die Union kommt zwar auf 43 Prozent, doch nur wenige glauben, dass sie es besser kann und nur jeder Vierte traut ihr zu, die Probleme des Landes zu lösen.“

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