Zeitung Heute : Das Übernahmekarussell kommt in Fahrt

Nach Oracel-Interesse an Apple nun Gerüchte über AOL-Begehrlichkeiten bezüglich CompuServe - dpa/pf/sag Amerikas Informations- und Telekommunikations-Branche macht derzeit durch einige gewichtige Übernahmegerüchte von sich Reden.America Online - der mit Abstand größte Onlinedienst der Welt - ist offensichtlich an einem Aufkauf seines amerikanischen Hauptrivalen CompuServe interessiert.Dies besagen die erneuten Börsengerüchte an der New Yorker Wall Street, die die Kurse der beiden Papiere am Mittwoch und Donnerstag in die Höhe trieben.Auch die Aktien der Steuerberatungsfirma H&R Block, die 80 Prozent der CompuServe-Aktien kontrolliert, profitierten von den Spekulationen. Ausgangspunkt der Gerüchte war unter anderem der Bericht eines Börsenfachbriefs über das Interesse von AOL an CompuServe.Allerdings waren bislang weder die beiden Online-Dienste noch die CompuServe-Mutter zu Stellungnahmen bereit.H&R Block hatte jedoch in der Vergangenheit selbst klargemacht, daß das Unternehmen an an einem Verkauf oder einer Abgabe von CompuServe an die eigenen Aktionäre interessiert sei.H&R Block ist die größte amerikanische Steuerberatungsfirma. America Online hat rund acht Millionen Kunden, den größten Teil davon in den USA.CompuServe verfügt weltweit über 2,9 Millionen Online-Kunden und ist außer in den Vereinigten Staaten auch in Europa und in Asien stark vertreten.Mit einer Übernahme von CompuServe würde America Online somit seine Spitzenposition weiter drastisch ausbauen.Das Unternehmen konnte nach Angaben von Branchenkennern mit Hilfe von CompuServe auch seine Netzwerk-Kapazitätsengpässe in den USA rascher überwinden.Außerdem sei CompuServe angesichts des in den letzten zwölf Monaten stark gefallenen Aktienkurses relativ billig zu bekommen. CompuServe kämpft mit rückläufigen US-Kundenzahlen.Die Gesellschaft verfügt allerdings über ein riesiges Informationsangebot und hat vor allem bei professionellen Kunden eine starke Position.Der Onlinedienst hat jedoch gegenüber der rasant expandieren und jüngeren Gesellschaft America Online in den letzten Jahren immer stärker an Boden verloren. America Online hat aufgrund seiner Expansionerfolge erhebliche Probleme.Das US-Netz der Gesellschaft war angesichts der Einführung von Festpreis-Gebühren im Dezember so überlastet, daß zahllose Kunden oft stundenlang vergeblich versuchten, sich in die AOL-Knoten einzuwählen.Dies führte zu einer Beschwerdelawine und frustrierten Kunden.AOL investiert zur Zeit 350 Millionen Dollar in den Ausbau seines US-Netzes und der Netzzugänge, um die Engpässe zu beseitigen. Das Finanzfernsehen CNBC will am Donnerstag erfahren haben, der Deal mit AOL sei praktisch unter Dach und Fach.Nur über den Preis werde noch verhandelt.Die Übernahme werde nächste Woche bekannt gegeben, hieß es bei CNBC, der Medientochter von General-Electric. Neben AOL/CompuServe wird derzeit ein weiteres Übernahmegerücht von der Branche mit Spannung verfolgt.Larry Ellison, amerikanischer Milliardär und Chef des zweitgrößten US-Softwarehauses Oracle, hatte in der letzten Woche sein Interesse an dem angeschlagenen Computer-Hersteller Apple kundgetan.Zusammen mit einer Reihe von bisher nicht genannten Investoren werde an eine Übernahme gedacht, bestätigte Ellison selbst die Meldungen.Zudem hatte er mitgeteilt, daß er eine elektronische Mailbox eingerichtet habe, auf der Anleger sowie Beschäftigte und Kunden von Apple ihre Meinung zu den Übernahmeplänen äußern sollten. Apple-Chef Gilbert Amelio, den Ellison nach erfolgreicher Übernahmen ablösen lassen will, will den Fehdehandschuh indes nicht aufnehmen."Ich werde mich nicht in die Rolle drängen lassen, auf Ellison reagieren zu müssen", erklärte der Apple-Manager in der US-Presse.Er glaube zwar nicht, daß es wirklich zu einem Übernahmeangebot kommen werde, lasse aber auf jeden Fall die Apple-Juristen Verteidigungsmöglichkeiten prüfen, erwiderte Amelio auf die Übernahmepläne des Oracle-Chefs. Larry Ellison hatte bereits durch seiner Anti-Microsoft-Intel-Allianz zusammen mit Sun und Netscape auf sich aufmerksam gemacht.Mithilfe firmeninterner Netze - sogenannter Intranets, die auf dem Internet-Prinzip basieren - und der Programmiersprache Java will die Allianz zumindest im Busineß-Segment die auf dem PC-Prinzipg beruhende Vormachtstellung von Bill Gates und Andrew Grove brechen.

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