Zeitung Heute : Datenbankrecherche für jedermann

MARIE-LUISE GOERKE

Staatsbibliothek an amerikanisches FirstSearch-Projekt angeschlossenVON MARIE-LUISE GOERKE

Wer Literatur sucht oder nach Informationen fahndet, der geht in der Regel in eine Bibliothek, bedient sich dort der entsprechenden Hilfsmittel oder des Fachpersonals und wird fündig.Meistens jedenfalls.Manch einer begibt sich in solchen Fällen auch auf den Datenhighway und stöbert in den virtuellen Karteikästen einer Online-Datenbank.Doch selbst Computerfreaks machen das zumeist nur einmal, höchstens zweimal und kehren dann zu den guten alten Bibliothekskatalogen zurück. Dabei könnte alles so einfach sein.Die schöne neue Netzwelt mit ihren ungeahnten Möglichkeiten der Informationsbeschaffung wird schließlich häufig genug als global, schnell, unkompliziert und umfassend gepriesen.Theoretisch zumindest.In der Praxis ist die Nutzung kommerzieller Datenbanken oft unzulänglich und außerdem schlicht zu teuer. Doch nun wird alles anders: Ein Verbund aus mehreren Datenbanken, die laufend aktualisert werden, bündelt die elektronischen Kräfte auf sinnvolle Art und bietet sich im Netz zur freien Verfügung an.FirstSearch heißt dieses Projekt aus den USA, das einen Ausweg aus dem Datendilemma bietet. Seit Mai können nun auch die Benutzer der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin mit FirstSearch in rund 60 Online-Datenbanken recherchieren.Und finden.Denn mit FirstSearch kommen zum Beispiel nicht nur Ingenieure, Mediziner, Geographen oder Psychologen durch Fachdatenbanken auf ihre Kosten, sondern auch Internetsurfer, Hobbygärtner, Biographienjäger oder Künstler. Zudem ist mit FirstSearch auch der mit 31 Millionen Einträgen größte und täglich aktualisierte Katalog der Welt, der sogenannte WorldCat, zugänglich."Im WorldCat, der vornehmlich in den USA hergestellt wird", erklärt Uwe Schwersky, Leiter des Referates für Information im 2.Haus der Stabi, "sind von der deutschen Romanschriftstellerin Sophie von La Roche mehr Erstausgaben, also Ausgaben aus dem 18.Jahrhundert verzeichnet, als im deutschen Gesamtkatalog.Und das ist doch immerhin ein Hinweis darauf, wie mächtig dieses Instrument ist." Die Suche mit FirstSearch ist nicht nur qualifiziert, sondern auch außerordentlich preisgünstig.Würde man dieselben Datenbanken, die man mit FirstSearch erreichen kann, über kommerzielle Rechner besuchen, müßte man mit Kosten für eine Anschaltstunde von rund 200 Mark rechnen, zuzüglich Telekommunikations- und download-Gebühren für die einzelnen Dokumente.Bei FirstSearch hingegen werden einzelne Fragen verkauft und abgerechnet - egal, wie lange die Suche dauert. Die Stabi verkauft derzeit eine Suchanfrage für 1,20 Mark.Jede Suchanfrage kostet eine Einheit, die von einer FirstSearch-Karte abgezogen wird.Auf dieser Karte ist ein Password verzeichnet, mit dem man sich an jedem x-beliebigen Rechner über Telnet, Datex-P oder auch WWW einloggen kann.Gesucht und gefunden werden mit FirstSearch Autoren, Titel, Stichwörter oder Sachbegriffe - auf Englisch und befehlsorientiert.Die meisten Eingabemöglichkeiten erscheinen aber auf dem Bildschirm.Die Staatsbibliothek bietet ihren Benutzern außerdem FirstSearch-Einführungskurse sowie Merkblättchen an, so daß auch "Newbies" (new beeings in the net) eigentlich gar nichts falsch machen können.So ist jeder zufrieden: die Benutzer, die Staatsbibliothek, und nicht zuletzt die Datenbankanbieter wegen der Mehreinnahmen.

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