Zeitung Heute : Datenschutz: "Das ist Usus in der Branche"

Kunden von Online-Versandhäusern müssen trotz einer angeblich vertraulichen Behandlung ihrer persönlichen Daten mit Werbepost anderer Unternehmen rechnen. Wie die Zeitschrift "Computerbild" am Dienstag berichtete, haben sechs Versandhäuser Kundenadressen zweifelsfrei an andere Firmen weitergegeben, obwohl sie in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugesichert hätten, persönliche Daten ihrer Kunden vertraulich zu behandeln.

Die Sprecherin von Quelle, Sabine Hauck, räumte ein, dass Adressen trotz dieses Hinweises an andere Unternehmen vermietet würden. Im datenschutzrechtlichen Sinn gebe Quelle jedoch keine Daten weiter, da eine Adresse nicht zu den persönlichen Daten gehöre. "Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht für jeden transparent ist", sagte die Quelle-Sprecherin. Ihr Unternehmen gestatte anderen Firmen, die Adressen einmalig für eine Werbeaktion zu nutzen. Danach müsse der "Mieter" die Daten löschen. "Das ist Usus in der Branche", so Quelle-Sprecherin Hauck.

Ihrem Kollegen vom Versandhaus Otto, Detlev von Livonius, zufolge werden Daten nur innerhalb des Konzerns weitergegeben. So sei es zu erklären, dass Tester der "Computerbild" nach einer Bestellung bei Otto Post von der Bon Prix Handelsgesellschaft, einer Konzerntochter, erhalten hätten. Als betreffende Firmen benannte "Computer Bild" neben Neckermann, Otto oder Quelle unter anderem Schwab, Teleshop sowie die Erotik-Kette Beate Uhse.

Die Praxis der Unternehmen sei zwar fragwürdig, sagte der Bundesdatenschutzbeauftrage Joachim Jacob der "Computerbild", verstoße aber gegen kein Gesetz. "Computerbild" hatte bei Testbestellungen die verwendeten Kundennamen jeweils leicht verändert und konnte so erkennen, von welchem Versandhaus die später von anderen Unternehmen für Werbezwecke verwandten Daten stammten.

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