Zeitung Heute : Datenübertragung per Handy: Das Internet wird endlich mobil

Rainer Bücken

Die Datenübertragung in den Mobilfunknetzen klappt schon ganz gut. Etwa 16 Milliarden sogenannter Short Message Services, kurz SMS genannt, dürften im vergangenen Jahr bundesweit von Handy zu Handy geflogen sein, gewissermaßen Datenübertragung auf unterstem Niveau. Doch die Mobilfunkbetreiber möchten mehr, möchten den Zugang zum Internet überall und jederzeit. Schließlich ist es nicht trivial, den Anschluß ans weltgrößte Kommunikationsnetz über ein hauchdünne Funk-Pipeline möglich zu machen. Doch genau darum geht es: möglichst viele Daten in möglichst kurzer Zeit Zeit aufs Handy - oder besser - direkt in den Laptop oder den Organizer zu überspielen.

Die Idee scheint jedenfalls faszinierend: Unterwegs schnell mal die neusten E-Mails, das aktuelle Adressverzeichnis, die nächsten Termine, Bus- und Bahnverbindungen, Restaurants, Taxihalteplätze und sonstiges unbedingt Lebensnotwendige aufs Handy oder in den Laptop überspielt zu bekommen. Wie so oft driften Wünsche und Realisierbarkeit weit auseinander. Während so mancher Wunsch mit den Ankündigungen der Mobilfunkbetreiber gewachsen ist, lassen doch die ersten Erfahrungen die ersten Nutzer alt und grau aussehen: Es dauert alles wesentlich länger und kostet unanständig viel Geld.

Der Betreiber E-Plus startete im vergangenen Herbst mit einem eher bieder-klassischen Ansatz. Mehrere - normale - Mobilfunkleitungen werden seitdem für den Datenverkehr gebündelt, und über viele Straßen fließt bekanntlich auch mehr Verkehr. High Speed Circuit Switched Data heißt die Technik, die von E-Plus etwas werbewirksamer als High Speed Mobile Data verkauft wurde - und wird. Gleich drei GSM-Verbindungen werden für den Weg zum Mobilfunker und eine für den Rückweg zum Betreiber genutzt, jede für etwa 9600 Bit pro Sekunde. Dann können die Daten immerhin mit mindestens 28 800 Bit ins Handy und eventuell gleich weiter in den Laptop fließen, neue Techniken würden gar eine Datenrate von 43 200 Bit pro Sekunde zulassen. Denkbar auch, demnächst noch mehr Kanäle zu bündeln, beispielsweise bis fünf.

Auch D2 Vodafone (früher Mannesmann) startete mit HSCSD. Allerdings bedeutet eine zu häufige Bündelung noch mehr Engpässe im Netz als heute schon. Viele Profis haben sich jedoch bereits jetzt für diese Technik entschieden. Wem es übrigens zu umständlich erscheint, Handy und Laptop kabel- oder infrarotmäßig zu verheiraten, der kann sich beispielsweise für ein Cardphone entscheiden. Das ist eine auf der PCMCIA-Technik basierende Karte, die einfach in den entsprechenden Schlitz im PC eingeschoben wird. Nach der CeBIT soll es zumindest von Nokia auch ein Connectivity-Pack geben, bei dem das lästige Kabel durch eine Funkverbindung zwischen Handy und Laptop abgelöst wird.

Der nächste Schritt heißt dann GPRS. Dieses Kürzel steht für General Packet Radio Service und bedeutet die Kombination des bisherigen leitungsvermittelten GSM-Mobilfunknetzes mit einem neuen paketorientierten Datenfunk-Netz. Während für jedes Funktelefonat eine feste Funkverbindung aufgebaut wird, fliegen die Daten gewissermaßen als einzeln adressierte Postpakete ins Handy - oder in den Laptop. Nun ist die Paketversendungskapazität auch nicht unbegrenzt - entsprechend reduzieren viele Nutzer in einer Funkzelle die ansonsten recht stattliche theoretische Übertragungsleistung von etwa 110 Kilobit pro Sekunde. Das schon vor der CeBIT verfügbare Motorola-Handy Timeport 260 ist nur für 26,8 kbit pro Sekunde ausgelegt, bietet also etwa den Durchsatz eines älteren Analogmodems. Auch die neuen Geräte von Nokia und Siemens spielen in diesem Bandbreiten-Bereich.

Bei GPRS kann der Internet-Zugang ständig aktiviert bleiben, der Briefkastenschlitz ist also "always open". Wann immer Daten durch die Luft schwirren, die entsprechend adressiert sind, fallen sie - beispielsweise als E-mail - jederzeit in den Briefkasten. Das macht die Berechnung - theoretisch - günstig. Es kommt nicht darauf an, wie lange der Briefkastenschlitz geöffnet ist, sondern wieviele Pakete hineinfallen. 10 Kilobyte kosten derzeit zwischen 9 und 69 Pfennig - je nach Anbieter und gewählter Tarifart.

Der Dienst wurde zuerst von Viag Interkom in Berlin gestartet. Inzwischen folgten aber auch T-Mobil, D2 und E-plus. Wichtig ist natürlich, nur solche Seiten abzurufen, die für den mobilen Einsatz konzipiert wurden. Und das sind nun einmal die Seiten des bereits recht negativ aufgefallenen WAP-Dienstes (Wireless Application Protocol). Immerhin - die Seiten sind da, und wer sich nur die zuspielen läßt, ist fein raus.

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