Zeitung Heute : Daumen drücken

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

Eigentlich müsste ich Ihnen heute den großen Überblick für all die Berlinale-Partys geben, die in den nächsten Tagen anstehen. Gestern Abend hat ja der Partymarathon des Jahres begonnen, und die nächsten zwei Wochen werden Berliner Partygänger vor lauter Feierei wohl kaum richtig ins Bett kommen. Aber es gibt etwas weitaus Wichtigeres, über das ich berichten möchte. Kommenden Montag berät nämlich der Medienrat Berlin-Brandenburg über die Vergabe einer Antennenfrequenz für einen nicht kommerziellen Radiosender im Berliner Stadtgebiet. Das heißt: Es ist gut möglich, dass in Kürze in Berlin ein Radio-Programm zu empfangen ist, das nicht ununterbrochen Werbe-Jingles, Promo-Aktionen und Hits aus dem letzten Jahrhundert sendet, sondern direkt an die Berliner Club-Kultur angebunden ist. Auf der neuen Frequenz könnten dann Club- und Labelmacher, DJs, Musikproduzenten und andere Gutinformierte zu hören sein. Das würde bedeuten: Endlich zeitgemäße, innovative Musik, versammelt auf einem Berliner Sender. Hört sich toll an, oder? In einer Presseerklärung, die der ehemalige Piratensender TwenFM kürzlich verschickte, konnte man von all dem lesen. Der neue Radiosender soll eine Art Mischkanal sein, bei dem der Offene Kanal tagsüber sendet und TwenFM, der seit einigen Monaten im Berliner Kabelnetz über die Frequenz 92,6 legal zu empfangen ist, voraussichtlich das Abend- und Nachtprogramm übernimmt.

Man hat sich ja als musikinteressierter Mensch auch schon ziemlich lange gewundert: Berlin ist, und das nicht erst seit dem Umzug der Medienmultis Universal und Sony, voll von Leuten, die ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen. Musik ist ein Standortfaktor in Berlin. Seltsam ist jedoch: All die Bands, Labels, Musiker, DJs haben eigentlich kein zentrales Medium, über das sie kommunizieren können. Aus Berlin kommt viel aufregende Musik, aber wenn man nicht ständig in Clubs oder in Plattenläden geht, kann es schnell passieren, dass man davon überhaupt nichts mitbekommt. Stellen Sie sich aber vor, wie das wäre, wenn diese Sendefrequenz tatsächlich freigegeben wird. Sie hören dann in diesem neuen Sender, so am frühen Abend etwa, vielleicht erst das neue Album des Berliner Elektronik-Musikers Jan Jelinek, dann stellen Ihnen die Kreuzberger Reggae-Wissenschaftler von Rhythm n’Sound ihre neuesten Singles vor, und danach hören Sie ein zweistündiges Set von DJ Hell, der gerade in Berlin zu Besuch ist. Und danach gibt es eine Live-Schaltung aus dem Watergate, wo DJ Stretch Armstrong aus New York vier Stunden Underground Hip Hop spielt. Ist das nicht das Radio, von dem jeder Club- und Partygänger träumt? Wie sich ein derartiger Sender in seinen Anfängen anhört, können Sie vor der Debatte des Medienrats Berlin-Brandenburg schon mal auf TwenFM testen. Dann werden Sie sicherlich Montag, wenn über die Freigabe debattiert wird, ebenfalls die Daumen drücken. Versprochen?

TwenFM, ist täglich zwischen 12 und 16 Uhr, sowie 23-3 Uhr auf 92,6 BerlinKabel zu hören.

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