Zeitung Heute : Dem Fuß auf den Fersen

Orthopädieschuhmacher kümmern sich um ein stiefmütterlich behandeltes Körperteil

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Von Eick Lund Die Deutschen leben auf großem Fuß, das weiß man. Weniger bekannt dürfte aber die Tatsache sein, dass 80 Prozent der Bundesbürger krankhaft veränderte Füße haben.

Nach Angaben des Bundesinnungsverbandes Orthopädieschuhtechnik reichen die Probleme von leichten Veränderungen bis zu schweren Deformationen. Als Hauptursache gilt neben Krankheiten vor allem schlechtes Schuhwerk. Besondere Schwierigkeiten haben die rund vier Millionen Diabetiker in Deutschland. 1,2 Millionen von ihnen leben in der Gefahr, Zehen, Füße oder Beine zu verlieren. Denn einmal entstandene Geschwüre heilen sehr schwer zu und können sogar dazu führen, dass Teile des Fußes absterben. Moderne Elektronik ermöglicht es dem Orthopädieschuhmacher, gefährdete Stellen zu erkennen und möglichen Amputationen vorzubeugen.

Auch im Sport kann es zu Überlastungsschäden an Füßen, Knien, Hüftgelenk oder Wirbelsäule kommen. Wer dies vermeiden will, sollte sich einer eingehenden Bewegungsanalyse unterziehen. Sie erlaubt Rückschlüsse auf Fehlhaltungen, die sich durch individuell umgebaute Sportschuhe und Einlagen ausgleichen lassen. Wichtigster Zweig der Branche sind jedoch die orthopädischen Maßschuhe. Sie werden in vielfältigen Formen hergestellt, zum Beispiel als Straßenschuh, Hausschuh, Turnschuh, Sportschuh oder Unfallverhütungsschuh. Die Handwerker stellen auch so genannte Therapieschuhe her, die der Patient nach einer Operation trägt, um den Heilungsprozess zu unterstützen.

Immer mehr Menschen greifen darüber hinaus zu Einlagen. Sie sind die billigste Variante, einen gängigen Schuh an individuelle Gegebenheiten anzupassen. Einlagen werden vom Orthopädieschuhmacher aus allen Materialien nach Maß oder Gipsmodell gefertigt. Und auch Konfektionsschuhe lassen sich bis zu einem bestimmten Grad orthopädisch anpassen. Den echten orthopädischen Schuh können diese so genannten Zurichtungen zwar nicht ersetzen. Allerdings gehören sie heute zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

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