Zeitung Heute : Demokratisch handeln

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Sigrid Kneist

Hurra! Am Freitag gibt es Ferien. Endlich! Nichts wie weg. Direkt nach der Schule geht’s los. Raus aus dem ollen Berliner Winter, rein in die alpine Bergwelt. Charlotte hat es redlich verdient. Genau drei Sechsunzwanzigstel einer hoffentlich wiederholungsfreien 13-jährigen Schulzeit bis zum Abitur hat sie jetzt absolviert. Wenn das nicht ein bedeutender Abschnitt in ihrem Leben ist. Da ist eine Woche Entspannung mehr als angebracht. Gönnen wir unserer Tochter deshalb einen Skiurlaub – und uns. Die restlichen Schuljahre packt sie dann mit Leichtigkeit.

Schon den ganzen Januar sind wir richtig in Reisestimmung, wie eigentlich immer, wenn Ferien anstehen. Die letzten Wochen verbrachten wir damit, Kataloge zu wälzen, Reiseführer durchzublättern, Urlaubsorte im Internet per Live-Cam zu besuchen – wurden gerade noch auf den letzten Drücker fündig und buchten ein süßes, schnuckeliges Häuschen. Das war echt Glück, wir waren mit unserer Planung ja reichlich spät dran.

Ich spreche nicht von der Planung für unseren jetzigen Skiurlaub. Wo denken Sie denn hin, Sie Träumerle? Den haben wir doch schon im vergangenen Juni gebucht, als kein Mensch auch nur entfernt an Schnee dachte und jeder eigentlich nichts anderes wollte als Sonne, Sonne, Sonne. Gerade noch eins der letzten Zimmer in der „Alten Krone“, wo laut Auskunft unserer Tochter die Fischstäbchen ganz besonders lecker sein sollen, haben wir ergattern können. Es sind Schulferien! Was das bedeutet, wissen alle, die schulpflichtige Kinder haben. Nämlich Reisen zu sündhaft teuren Preisen in übervolle Ferienorte, wo die besten Domizile sowieso alle immer schon weg sind. Vorbei die Zeiten, in denen wir kurz entschlossen die Koffer packten, die Flieger bestiegen und eine Fernreise nach der anderen machten, weil der Urlaub in der Nebensaison so billig war. Aber last minute in die Schulferien, nie im Leben. Aufs Geratewohl los und dann in irgendeiner runtergekommenen, lärmigen Butze landen, in der man nie zur Ruhe kommt? Nicht mit uns.

Bei Buchungen verhalten wir uns genau antizyklisch zum eigentlichen Reisen. Bevor wir in den Skiurlaub starten, planen wir für den Sommer. So wie jetzt. Dass es diesmal mit unserem Traumhäuschen im Süden, in dem sogar Oma und Opa Platz haben, auf einmal so knapp wurde, liegt an der innerfamiliären Demokratie. Die Meinung eines Mädchens, das bereits drei Sechsunzwanzigstel seiner Schullaufbahn hinter sich gebracht hat, sollte man besser berücksichtigen. Ein muckschiges Kind, das vielleicht auch im Sommer lieber in die Berge als ans Meer gefahren wäre, drückt nämlich erheblich auf die Urlaubsstimmung. Neulich habe ich im Reiseteil gelesen, dass Eltern das letzte Wort haben sollen, aber unseren Entscheidungsprozess beschleunigte das nicht. Das Elternvotum war uneinheitlich. Letztlich setzten sich ein Elternteil und ein Kind gegen das andere Elternteil durch. Wahrhaft demokratisch. Aber wer bei uns hier wie stimmte, das verrate ich nicht: Bei uns gilt das Wahlgeheimnis.

Reisen für die Winterferien findet man unter www.lastminute.de . Mehr als 20 000 Ferienwohnungen hat Interchalet im Angebot: www.interchalet.de

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