Zeitung Heute : Den High-Tech-Zug nicht verpassen

ALMUT KIPP (dpa)

Diskussionen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über den unbegrenzten DatenaustauschVON ALMUT KIPP (dpa)

An der Informationsgesellschaft kommt keiner mehr vorbei - selbst in der winterlichen Idylle des Schweizer Skisportortes Davos nicht: Als die rund 2000 Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsforums über die Auswirkungen des unbegrenzten Datenaustausches auf die Geschäftswelt, die Finanzmärkte und die Gesellschaft debatierten, schien vielen von ihnen klar zu werden: Wer den Zug des Info-Zeitalters verpaßt, gehört zu den Verlierern im "Big Business". So warnte Intel-Chef Andrew Grove die Wirtschaftswelt: Ein Zurück aus der High-Tech-Gesellschaft wird es nicht mehr geben.Für den Spitzenmanager des US-Mischkonzerns General Electric, John Welch, ist Informationsmanagement der Schlüssel zum Erfolg."Die bestehenden Hierarchien sind zu starr, um im brutalen Wettbewerb zu bestehen", wies er die Führungselite zurecht.Gerade weil sie auf die Globalisierung - die weltweite Ausrichtung ihrer Unternehmen - setze, würden die weltumspannenden Datennetze in den täglichen Arbeitsabläufen unverzichtbar.Aber auch die Mitarbeiter unterer Ebenen seien im Umgang mit PC, Soft- und Hardware gefordert: "Es muß jedes Hirn genutzt werden, um auf den Märkten zu gewinnen", meint Welch. Bisher wollen einer Intel-Studie zufolge nur durchschnittlich 15 Prozent der befragten Manager in Großbritannien, Deutschland und Frankreich das Internet nutzen.Zu selten, wenn Sie im härter werdenden Wettbewerb bestehen wollen, meint Intel-Chef Grove.Die rasche Datenverarbeitung steigere die Produktivität, betont auch Welch. Gerade dem Mittelstand nützen die neuen Technologien: "Er kann endlich das gleiche tun wie die Großkonzerne", meinte der für das Europa-Geschäft des Halbleiter-Branchenführers Intel zuständige Spitzenmanager, Hans Geyer.Mit E-Mail und Internet könnten mittelständische Unternehmen schneller Kontakte mit ausländischen Geschäftsleuten aufbauen.Geyer rief zu einem neuen Unternehmergeist auf, um den Anschluß an die Weltspitze nicht zu verpassen."Wir müssen jetzt aufwachen." Doch der Schritt in ein neues Zeitalter birgt seine Gefahren.Eine Diskussionsrunde mit amerikanischen Experten beriet über die Sicherheit der Informationstechnologie.Die Frage ist, wie Nachrichten und Mitteilungen wirksam verschlüsselt werden können, wenn die Abhängigkeit von den Netzwerken wächst.Nichts fürchten Konzerne und Regierungen mehr, als ihr Material in den Händen von Hackern, Spionen oder Terroristen zu wissen.Geheimnisverrat von Forschungsentwicklungen in Unternehmen kann den Vorsprung im Wettbewerb kosten.Über die Verschlüsselungstechniken, die Kryptographie, sollte es gesetzliche Regelungen geben, wurde gefordert.Auf jeden Fall muß die künftig gewählte Kryptographie einen internationalen Standard haben, damit die Daten auch weiterhin unbegrenzt um die Welt fließen.
05.02.97

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