Zeitung Heute : „Den Schmerz schalten wir aus“

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Professor Christoph Stein ist Leiter der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Uniklinikum Benjamin Franklin. Wir sprachen mit ihm über moderne Methoden der Narkose.

Herr Professor Stein, mit einer Narkose verbinden sich viele Ängste. Welche sind begründet?

Man muss unterscheiden: Angst vor einer Operation bedeutet zunächst Angst vor Schmerzen. Diese Angst sollte heute eigentlich unbegründet sein, denn wenn alle Methoden angewandt werden, die wir haben, kann man Schmerzen in 95 Prozent der Fälle ausschalten. Die Angst vor Nebenwirkungen wie Übelkeit ist dagegen nicht ganz unbegründet: Hier sind wir noch nicht so weit wie in der Schmerzbekämpfung.

Und die uralte Angst davor, nicht mehr aufzuwachen?

Die ist heute praktisch unbegründet. Obwohl wir immer mehr „schwere Fälle“ operieren, gibt es nur ein Restrisiko von weniger als einem Prozent. Komplikationen bei der Narkose, etwa durch Sauerstoffmangel, gibt es praktisch nur bei schweren Vorerkrankungen und bei NotfallOperationen.

Welche Fortschritte aus den letzten Jahren machen die Anästhesien für Patienten besser verträglich?

Für Allgemeinanästhesien gibt es ein ultrakurz wirksames Opiat, das im Blutplasma und in anderen Geweben sehr schnell abgebaut wird. Die Patienten sind sofort nach der Operation komplett wach. Das ist zum Beispiel bei Gehirnoperationen für den Operateur zur Beurteilung des Erfolgs wichtig. Es ist aber auch angenehm, weil die Übelkeit verringert wird und die Patienten weniger verwirrt und müde sind.

Es muss nicht immer der tiefe Schlaf sein. In vielen Fällen reicht die örtliche Betäubung?

Früher war es ja vielen Ärzten nicht ganz geheuer, wenn die Patienten während der Operation wach waren und abgelenkt werden mussten. Jetzt hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass solche Methoden häufiger eingesetzt werden sollten. Große wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Lebensqualität nach der Operation spürbar besser ist, die Patienten können zum Teil sogar eher aus dem Krankenhaus entlassen werden.

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