Zeitung Heute : DEN STIL DER BUNDESLIGA ANGENOMMEN: Soldo spielt typisch deutsch

HARTMUT SCHERZER

PARIS .Zvonimir Soldo ist ein typisches Beispiel.In der kroatischen Europa-Auswahl haben die "Legionäre" etwas vom Stil und der Mentalität ihrer Liga angenommen, ohne dabei ihre nationale Identität, den Stolz aufs kleine Vaterland und den Teamgeist eingebüßt zu haben.Zvonimir Soldo spielt typisch deutsch: athletisch, zweikampfstark, ausdauernd, zuverlässig."Besonders als Manndecker ist Soldo sehr effektiv", urteilt sein Trainer Miroslav Blazevic.

Zvonimir Soldo vom VfB Stuttgart ist einer der beiden letzten Bundesligaspieler im WM-Turnier.Der andere, der Franzose Bixente Lizarazu von Bayern München, spielt heute im Halbfinale Frankreich gegen Kroatien im Stade de France von Paris auf der Gegenseite.In den ersten drei Gruppenspielen spielte der 30 Jahre alte "Stuttgarter", der 1996 von Croatia Zagreb zum VfB kam, noch Libero, war für das Achtelfinale gegen Rumänien gesperrt und rückte im Viertelfinale gegen Deutschland ins defensive Mittelfeld.Die Aufgabe hieß: Thomas Häßler ausschalten und den Deutschen ihr letztes bißchen Kreativität nehmen.Aufgabe erfüllt.

Gegen Frankreich dürfte Soldo nun zum Schattenmann Zinedine Zidanes werden.Wer den dreimaligen Weltmeister besiegte, dem ist auch vor Frankreich nicht bange.Soldo: "Aber die Franzosen sind natürlich die Favoriten." Das kleine, junge Kroatien fühlt sich wohl in der Rolle des krassen Außenseiters unter den großen Fußballmächten."Wir haben nichts mehr zu verlieren und keinen Druck", sagt Soldo."Für unser Land sind wir schon die Weltmeister."

Der so erstaunliche Erfolg Kroatiens nur wenige Jahre nach Balkankrieg und Unabhängigkeit kommt für die Fußballprofis selbst nicht einmal überraschend.So ist in den Vorberichten zur WM Zvonimir Soldos Prognose nachzulesen: "Wenn wir die erste Runde überstehen, ist mindestens das Halbfinale drin." Im Quartier in Vittel lieferte Soldo den Grund für seinen Optimismus nach: "Seit zwei Jahren, seit der Europameisterschaft in England, ist dieser Kader zusammen.Wir haben zwei Jahre mehr Erfahrung, sind viel selbstbewußter."

"Es war schon ein riesiger Erfolg für ein so kleines Land, unter den acht besten Mannschaften der Welt zu sein", erzählt Soldo."Nach dem Krieg und in den schlechten Nachkriegszeiten in Kroatien machen unsere Erfolge die Menschen zu Hause sehr glücklich.Und darauf sind wir sehr stolz.Wir waren in England zwar schon besser als die Deutschen, haben aber nicht daran geglaubt, daß wir Deutschland auch schlagen können.Das war diesmal ganz anders."

Trotz aller Begeisterung bei der Weltmeisterschaft denkt Soldo bereits an die Bundesliga und wurde für den VfB Stuttgart ("Ich habe noch einen Vertrag bis 2002") sogar aktiv: "Ich will Suker nach Stuttgart holen.Ich habe schon mit Herrn Schäfer darüber gesprochen und auch mit Suker.Davor hat mir gesagt, er will erst abwarten, wie er bei Real Madrid unter dem neuen Trainer zurechtkommt und dann entscheiden."

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