Zeitung Heute : Der abstrakte Abkömmling

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Der Begriff Derivate bedeutet so viel wie „ableiten“ oder „ Abkömmling “. Aus Sicht der Finanzmärkte umfasst die Definition dieses Begriffs zahlreiche Varianten und Formen synthetischer Finanzinstrumente. All diese Vehikel wie Optionen, Futures, Optionsscheine, Swaps, Zertifikate und anderes haben eines gemeinsam: Ein Derivat ist – wie der Name sagt – von etwas abgeleitet.

Ein Derivat kann daher für sich allein genommen nicht existieren. Es muss sich immer auf ein Basisinstrument – in der Fachsprache als „underlying“ bezeichnet – beziehen. Grundvoraussetzung für den Nutzen eines Derivats ist, dass diese Basisinstrumente wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe handelbar sind.

Voraussetzung für den Handel eines Derivats ist stets ein existierender und funktionierender – vorzugsweise ein liquider – Markt für das Basisinstrument. Mit anderen Worten: Der Basiswert hat stets Vorrang vor seinem abstrakten Abkömmling. Je mehr Märkte sich entwickeln und je tiefer (liquider) diese Märkte sind, desto mehr Derivate kann es geben. Ob ein neuer Markt entstehen kann, hängt wiederum von vielen, oftmals rechtlichen und volkswirtschaftlichen, Faktoren ab.

Auch eine rechtliche Sicherheit ist erforderlich. Dabei stellt sich stets die Frage, welcher rechtliche Rahmen für das Handeln eines neuen Basiswerts besteht. Aufsichtsbehörden und Kontrollgremien tragen den Anforderungen an die Transparenz und Darstellung von Derivaten in Handelsbüchern und Bilanzen Rechnung.

Dennoch: Der Lernprozess ist noch längst nicht abgeschlossen. Der notwendige Informationsfluss wird – gerade im Hinblick auf neue Bonitätsvorschriften (Basel II) – zu einem besseren Verständnis von Derivaten auf allen Wertschöpfungsstufen der Wirtschaft führen. Derivate bewirken heute nicht nur die Absicherung von Risiken, sie dienen auch zur Bewertung und damit zur Erkennung von Risiken. UR

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