Zeitung Heute : Der Absturz eines Spekulanten

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Den Gerichten ist Gustav Sommer einschlägig bekannt. Das jüngste Urteil erging gegen den Immobilien-Unternehmer am 28. November 2000. Der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein. Deshalb ist es noch nicht rechtskräftig, und er kann einstweilen weiter seinen Immobilien-Geschäften nachgehen. Das Amtsgericht Stralsund verurteilte den 1944 geborenen Sommer in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen "gewerbsmäßigen Betrugs in sieben Fällen und versuchten gewerbsmäßigen Betrugs in sechs Fällen". Die Richter setzten die Strafe nicht zur Bewährung aus, weil Sommer bereits zuvor eine Bewährungsstrafe vom Landgericht Berlin erhalten hatte und daraufhin "erneut einschlägig straffällig geworden" sei. Daher übe eine mildere Strafe keine "abschreckenden Wirkung" auf Sommer aus. Neben der Haftstrafe erteilte man dem Unternehmer ein "Berufsverbot": Drei Jahre lang dürfe er "im Gewerbezweig Gewerbliche Vermietung von Wohnungen und Baulichkeiten" nicht mehr tätig sein.

Wie es zum jüngsten Urteil kam: Sommer hatte rund 80 Immobilien in der Stralsunder Altstadt erworben. Unregelmäßigkeiten habe es während der Sanierung der Häuser und der Umlegung dieser Kosten auf die Mieter gegeben. Zu diesem Zweck habe Sommer die zwei inzwischen insolventen Firmen Erso sowie Weyland & Quast eingesetzt. Diese hätten an derselben Adresse ihren Sitz gehabt, und die Mitarbeiter hätten für beide Unternehmen zugleich gearbeitet. Sommer habe selbst "sämtliche wesentlichen Entscheidungen" beider Firmen "allein" getroffen, und die Erso "lediglich zur Verschleierung der tatsächlichen Baukosten" der Sanierungen eingesetzt. Hintergrund: Nach Paragraf drei des Miethöhegesetzes ist eine Umlage der Modernisierungskosten auf Mieter nur dann erlaubt, wenn sie auf Grundlage einer tatsächlichen Abrechnung von Bauarbeiten erfolgt. Diese habe es bei Projekten der Sommer-Firmen nicht gegeben. Vielmehr habe dieser die Modernisierungskosten einfach nur "geschätzt" und den Mietern aufgebrummt.

Noch bevor diese Betrugs-Verfahren eingeleitet wurden, war Sommers Firmenimperium zusammengebrochen. Im April 1997 gelangten etwa 500 Häuser und Eigentumswohnungen aus seinem Besitz in die Zwangsvollstreckung. Sommer hatte damals gegenüber dem Tagesspiegel offene Forderungen von Banken in Höhe von 50 Millionen Mark eingeräumt. Mitgesellschafter im Firmengeflecht von Gustav Sommer sind seine Ehefrau und zwei Söhne.

Der Mieterverein kennt Dutzende von Mietern in Sommer-Immobilien, die in Konflikt mit ihm gerieten. Er habe mit der oben beschriebenen Strategie versucht, hohe Kosten für Schönheitsreparaturen einzutreiben.

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