Zeitung Heute : Der Aufstieg in die erste Liga

KURT SAGATZ

Die Hamburger Softwareschmiede StarDivision drängt auf den US-MarktVON KURT SAGATZ

Nicht wenige Geschichten aus der Computerwelt handeln von jungen Helden, die erfolgreich neue Ideen entwickeln und diese gewinnbringend vermarkten.Nicht weniger spannend ist es jedoch, wenn sich ein Unternehmen aus kleinen Anfängen zum "Gobal Player" mausert, zumal dann, wenn es sich um eine Software-Firma aus Deutschlands hohem Norden handelt.Allen Unbillen des beinharten Wettbewerbs zum Trotz hat es die Hamburger StarDivsion geschafft, sich nunmehr über ein Jahrzehnt im Geschäft um Textverarbeitungen und Office-Pakete immer wieder ein großes Stück vom Kuchen abzuschneiden.Abzusehen war dies 1985 sicherlich nicht, als Marco Börries im Alter von 16 Jahren die Firma in Lüneburg aus der Taufe hob.

Auf sich aufmerksam machte das wichtigste Produkte der Firma, die Textverarbeitung StarWriter, vor allem durch zwei Dinge.Der Preis lag bei einem Drittel der Konkurrenzprodukte und die Programmeigenschaften standen den anderen Textverarbeitung in nichts nach.Über die Fachwelt hinaus wurde der StarWriter mit der Version 6.0 bekannt, als es StarDivision gelang, die Konkurrenz von Microsoft und Co.aus dem Feld zu schlagen und in Deutschland die Marktführerschaft im Bereich DOS-Textverarbeitungen zu übernehmen.Dies liegt inzwischen einige Jahre zurück, doch auch auf der diesjährigen CeBIT machte StarDivision erneut von sich reden: Als erstes Unternehmen weltweit stellten die Norddeutschen ein internet-fähiges Büropaket bestehend aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm vor.

Mit der neuen Version des StarOffice (3.1) können Texte für das Netz der Netze ebenso einfach verfaßt werden wie alle übrigen Dokumente.Die entsprechende Übersetzung in die Internet-Sprache HTML übernimmt das Programm, der Anwender kann sich auf die kreativen Aspekte der Arbeit konzentrieren und sich darauf verlassen, daß die Dokumente im Netz genauso aussehen wie auf seinem Bildschirm.

Das StarOffice vermag sogar noch mehr: Das neue Programmpaket, das in den nächsten Wochen zum Preis von 498 DM in den Handel kommt, nutzt das Internet als integralen Bestandteil.Wurde zuvor von zwei Leuten an einem gemeinsamen Text gearbeitet, so gab es systembedingt auch immer zwei Texte, die von Zeit zu Zeit aufeinander abgestimmt werden mußten.Anders beim StarOffice: Hier benutzen beide Partner das gleiche Dokument, auf das sie über das Internet oder firmeneigene Netze - die sogenannten Intranets - zugreifen.Ein späterer Abgleich entfällt somit, was gerade für Arbeiten im Team von großem Vorteil ist.Registrierte Besitzer der Vorgängerversion 3.0 können sich das Update auf die neue Version übrigens schon jetzt auf ihren Rechner holen.Dies geschieht per Download, also die Übertragung über das Telefonnetz, von der Internet-Seite http://www.stardiv.de oder über den Online-Dienst CompuServe (GO STARDIV).Zum Surfen im Internet steht darüber hinaus ein Programm namens AutoBrowse zur Verfügung, auch andere Browser wie der Netscape Navigator können geladen werden.Zur Übermittlung der elektronischen Post dient daneben das Programm AutoMail.Büroorganisation im Zeichen weltumspannender Kommunikation heißt die Devise.

Globaler denken die Hamburger nicht nur in Hinblick auf die Programmeigenschaften, sondern auch mit Blick auf die Weltmärkte.War das Unternehmen bislang vorwiegend auf den deutschen Markt ausgerichtet, so sollen nun das restliche Europa und natürlich auch Nordamerika erorbert werden.Die Resonanz auf dieses Vorhaben ist nach Unternehmensangaben gut.Vorbehalte gegen Software "Made in Germany" gebe es nicht.Ganz im Gegenteil: Während die Anwender hierzulande oftmals der Meinung seien, gute Software müsse aus den USA stammen, sehe dort niemand ein Problem darin, Programme aus Deutschland zu benutzen.Unterstützt werden soll das neue Engagement durch entsprechende Partner, wobei noch keine Namen genannt werden.Hierzulande arbeiten die Deutschen unter anderem mit IBM, Siemens-Nixdorf und Apple zusammen, die die StarDivison-Software zusammen mit ihren Computern vertreiben.

Der Erfolg von StarDivision wird am besten durch die Vergrößerung der Belegschaft deutlich.Innerhalb der letzten zwölf Monate wuchs die Mitarbeiterzahl um 40 auf 160 Personen an, Trend ungebrochen.An der Spitze steht nach wie vor Gründer Börries, auch die anderen beiden Mitbegründer sind noch im Unternehmen.In die Bücher wollen sich die Star-Divisionäre allerdings nicht schauen lassen, Umsatzzahlen werden nicht genannt.Bekanntgegeben wird nur, daß von der Office-Version 3.0 in den vier Monaten nach dem Start im Oktober bereits rund 200.000 Stück verkauft wurden.Dies entspricht einem Marktanteil von 25 Prozent.Interessant dabei: Das Programm kommt sowohl bei Großkunden als auch beim Endverbraucher an, der Verkauf an die beiden Gruppen ist in etwa ausgeglichen.

Entscheidend für den guten Absatz der Produkte ist nicht allein die Qualität des jeweiligen Programmes, sondern der Umstand, daß die StarDivision-Familie nicht für einzelne Systemumgebung programmiert wird, sondern sowohl für Windows 95, Windows 3.x, Windows NT, OS/2, Unix und für Macintosh-Rechner.Möglich ist dies durch eine spezielle Technologie names Solar, das die einfache Übertragbarkeit in die jeweiligen Systemwelten erlaubt.Hierdurch verringern sich zum einen die Entwicklungskosten, zum anderen kann es sich die StarDivision so erlauben, das Programm für einen verhältnismäßig günstigen Preis anzubieten.Und dies wird nicht nur durch die Fachpresse gewürdigt, auch der Verbraucher weiß es zu schätzen.

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