Zeitung Heute : Der Bischof

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So ein Bischofssitz ist ein Ort ehrfürchtiger Stille, könnte man meinen, an dem ein Kirchenfürst auf ewigen Gewissheiten sitzt wie auf unverrückbaren Möbeln. Zumal in Eichstätt, dieser barocken Stadt im Altmühltal, die katholischer kaum sein könnte und nicht gerade als Brutstatt des Aufruhrs gilt. Drinnen aber in der schmucken Bischofsresidenz eilt ein unruhiger Geist durch die Gemächer, holt schnell noch ein Papier, es klingelt an der Tür, so geht das immerfort. Walter Mixa ist schließlich nicht nur Bischof von Eichstätt, sondern auch Deutschlands oberster katholischer Militärbischof. Und weil sein Beruf ihm Berufung ist, hat er in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Waffen zu segnen und den Mächtigen die Absolution für ihre Feldzüge zu erteilen, das mögen frühere Militärbischöfe getan haben. Walter Mixa versteht seine Aufgabe anders. Welche Legitimation hat ein Militärschlag im Irak? Gibt es einen gerechten Krieg? Regelmäßig stellt der 61Jährige solche Fragen an Soldaten oder US-Offiziere, und manchmal wird er dann gefragt, ob er auch ein Amerikahasser ist. Ist er nicht. Aber einer, der es genau nimmt mit der katholischen Friedenslehre.

„Ein militärisches Eingreifen ist nur dann ethisch gerechtfertigt, wenn der Frieden massiv bedroht ist und ein nicht wiedergutzumachendes Verbrechen droht“, sagt Mixa. Noch wisse man zu wenig über Massenvernichtungswaffen im Irak, um einen Krieg ganz ausschließen zu können. „Ich befürchtet aber, dass ein Militärschlag verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hätte.“ Was aus einem kriegszerstörten Land werde, sei auch in Afghanistan ungeklärt. „Ob der Schutz der Menschenrechte dann gegeben ist, das sind doch entscheidende Fragen.“

Nun ist Walter Mixa kein Mann, der nur Fragen stellt. Er beantwortet sie auch gern, diskret im Ton und mit diesem in sich selbst gekehrten Blick, der schlagartig sehr impulsiv werden kann. Um eine gerechte Weltwirtschaft geht es ihm, um die „Unantastbarkeit des Menschen“, gerade in gewaltsamen Konflikten. Fragt man, was für ein Mensch er ist, spricht er vom Glauben, den er weitertragen will – und lächelt irgendwann sehr verschmitzt. „Ich bin schon ein starker Gegner aller Bedenkenträger, die sich nie trauen, für den Glauben neue Wege zu beschreiten“, sagt er. Was kann er nicht ausstehen? „Langweilige Sesshaftigkeit und Spießigkeit.“ Er muss jetzt wirklich los, Walter Mixa hat noch einiges vor.

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