Zeitung Heute : Der Blick des Narren

SUSANNA NIEDER

Pessimistischer Film über Israel: "Haifa" von Rashid MasharawiSUSANNA NIEDERHaifa ist eine Stadt in Israel.Haifa rufen im gleichnamigen Film von Rashid Masharawi die Einwohner eines palästinensischen Flüchtlingslagers auch ihren Dorftrottel, weil er immerzu durch die Straßen rennt und "Jaffa-Haifa-Akko!" schreit, Städtenamen aus der verlorenen Heimat.Daß er eigentlich kein Trottel ist, sondern ein auf den Klippen des israelisch-palästinensischen Konflikts aufgelaufenes Wrack, verraten die hellen, wachsamen Augen, die tiefen Kerben um seinen Mund und der abgeschabter Militärrock.In Haifas ausgemergeltem Gesicht spiegelt sich die Katastrophe.Es füllt die erste und die letzte Einstellung des Films. In "Haifa" verknüpft Masharawi Handlungen und Äußerungen der Menschen im Flüchtlingslager zu einem Panorama unterschiedlicher Standpunkte.Im Mittelpunkt steht die Familie des ehemaligen Polizisten Abu Said, der im Gegensatz zu seinen Söhnen fest an bessere Zeiten glaubt.Als die Friedensverhandlungen schließlich beginnen, hat er nichts mehr davon, weil er nach einem Schlaganfall gelähmt im Rollstuhl sitzt.Seine Frau muß einsehen, daß aus dem traditionellen Leben, das sie vorschnell für ihre Kinder geplant hat, wohl nichts werden wird, weil selbst die zwölfjährige Tochter eigene Vorstellungen hat. "Haifa", 1995 gedreht, verunsichert den Zuschauer, der von den Zuständen im Nahen Osten nur aus den Nachrichten weiß.Hat man Zusammenhänge nicht verstanden, Anspielungen übersehen? Dennoch berührt die die pessimistische Stimmung des unspektakulären Films - zu recht, wie zwei Jahre später fast täglich der Blick in die Zeitung beweist. Filmbühne am Steinplatz (OmU)

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