Zeitung Heute : Der Cache ­ das unbekannte Wesen

HANS-PETER STRICKER

Lokal gespeicherte Internet-Dokumente verkürzen die Online-Zeit und sparen somit GeldVon HANS-PETER STRICKER Jeder Internet-Surfer besitzt ihn, jeder benutzt ihn, doch nur die wenigsten bemerken ihn jemals: den Cache-Speicher.Je nach Vorliebe französisch "Kasch" oder englisch "Käsch" ausgesprochen, bedeutet das Wort auf jeden Fall "Versteck".Und das ist auch genau der richtige Name für jenes verborgene Verzeichnis, in dem zum Beispiel der Netscape Navigator (den es mittlerweile wieder als eigenständiges Programm gibt) alle Internet- und WWW-Seiten aufhebt, die der Benutzer jemals besucht hat.Für eine gewisse Zeit zumindest. Dahinter steckt nicht bloße Sammelwut, sondern ein durchaus handfester Grund, der sich schnell in barer Münze auszahlen kann.Der Browser sieht nämlich bei jedem Aufruf einer Internet-Seite zu allererst im Cache-Speicher nach, ob sie schon einmal aus dem Internet heruntergeladen wurde, und lädt sie erst dann neu, wenn sie entweder gar nicht oder nur in einer veralteten Version vorhanden ist. Das Prinzip des Cache hilft nicht nur dem Endbenutzer, Telefonkosten zu sparen, sondern findet auch im großen Rahmen Anwendung.Viele Internet-Provider betreiben beispielsweise sogenannte Proxy-Server, auf denen für eine gewisse Zeit alle Seiten gespeichert sind, die von ihren Kunden aufgerufen wurden und dabei über den Proxy-Server liefen.Die Kunden profitieren dabei gegenseitig voneinander, weil zum Beispiel nur einer auf die Web-Seite mit den aufwendigen Grafiken warten muß, die im Datenstau auf dem Transatlantikkabel steckt.Die anderen Kunden werden danach beim Aufruf derselben Seite blitzschnell aus dem Proxy-Cache bedient. Wer dem Proxy-Cache des Providers mißtraut ­ nach dem Motto: "Da liegt sowieso nicht, was ich suche, und wenn, dann ist es veraltet" -, der kann ihn übrigens umgehen, indem er etwa im Navigator unter "Optionen "Netzwerkeinstellungen" den Proxy deaktiviert.Was nicht unbedingt angeraten ist, im Gegensatz zur folgenden manuell vorzunehmenden Einstellung. Unter "Optionen/Netzwerkeinstellungen/Cache" kann man festlegen, wie oft der Browser die Aktualität eines angeforderten Dokumentes prüfen soll.Wenn man hier "niemals" einträgt, hat man seinen Browser im Handumdrehen in ein Offline-Gerät verwandelt, mit dem man ohne mit dem Internet verbunden zu sein (offline) durch die einmal angeklickten Seiten surfen kann. Im Grunde hat der Cache-Speicher nur einen Nachteil, und der liegt nicht einmal in der Natur der Sache: Man kann nicht direkt auf ihn zugreifen, sondern immer nur auf dem Umweg über die Internet-Adresse des gewünschten Dokumentes.Wenn man die vergessen hat, kommt man an die Datei nicht mehr heran.Das liegt an den kryptischen Namen, unter denen etwa der Navigator die Dokumente im Cache-Verzeichnis abspeichert, und die keinen Rückschluß auf ihren Inhalt erlaubt.

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