Zeitung Heute : Der diskrete Charme des Geldes

Neues Bauen in Berlin: Die Weberbank / Berliner Industriebank von Hanno Hübscher am HohenzollerndammIn der Bankarchitektur gab es schon immer ein grundsätzliches Problem: Einerseits wollen Banken Bonität ausdrücken, was speziell in den USA jedem kleinen Nest eine "griechische" Tempelfassade an der High Street beschert hat, andererseits wollen Banken auch innovativ wirken und den Eindruck einer verstaubten Verwahranstalt abschütteln.Viel Bargeld findet sich in modernen Banken zwar nicht mehr, aber die Tresor-Optik mit viel Edelstahl, Glas und poliertem Granit bleibt gängig. Die Weberbank, eine der größeren Privatbanken in Berlin, ging bei dem Neubau ihrer Filiale in Wilmersdorf einen anderen Weg.Seitdem sie 1994 mit der Berliner Industriebank (BIB), einer ehemals öffentlich-rechtlichen Bank ohne Kundenverkehr, fusionierte, haben sich die Ansprüche an das Grundstück der BIB an der Landecker Straße gewandelt.Der zusammengewürfelte Firmensitz wurde um eine Filiale der Weberbank auf dem spitzen Winkel, den die Kranzer Straße bei der Einmündung in den Hohenzollerndamm bildet, ergänzt. Ohne einen Wettbewerb zu veranstalten, entschied man sich, den Berliner Architekten Hanno Hübscher mit der Planung zu beauftragen, der mit der Bank seit der Aufstockung des Hauptsitzes in der Nürnberger Straße (in Arbeitsgemeinschaft mit Norbert Braun) und dem Bau einer Filiale in Dresden von 1995 verbunden ist.Wie auch bei diesen Planungen wußte der Bauherr genau, was er will: Nicht Steintapeten, sondern Klinkerfassaden wie am Hauptsitz sollten sich als "Corporate Identity" der Bank durchsetzen.Ein bestimmtes Material zum Logo zu machen, erhöht zwar den Wiedererkennungswert, ist aber angesichts unterschiedlicher Bauplätzen nicht unproblematisch.Schließlich kennt man in der Architektur den "genius loci", der verlangt, daß abhängig von Nachbarbebauung, Lage und Situation ein Fassadenmaterial gewählt wird. Hübscher entwarf ursprünglich eine gleichflügelige Anlage, die über Eck erschlossen wird.Tatsächlich ist der Schenkel zum Hohenzollerndamm in der Realisierung deutlich länger ausgefallen.Diese Situation erinnert unweigerlich an das Haus der IG Metall in Kreuzberg von 1930 und Helge Bofingers Neuinterpretation dieses Entwurfs für den Hauptsitz der SPD.An die Eleganz Mendelsohns reichen freilich beide Neubauten nicht heran.Die Fassade der Weberbank ist aus drei Elementen aufgebaut: der Vormauerschale aus handgestrichenen Glindower Klinkern, geflammtem bayerischen Granit für Sockel, Fensterbänke und das gestufte Gesims und Aluminiumpaneelen und -profilen in kräftigem "Weberbankblau".Die ursprünglichen Pläne des Architekten, Holzfenster zu verwenden, zu denen die avisierten matten Stahlpaneele gut gepaßt hätten, scheiterten an dem Gerücht, daß Holzfenster schnell "vergammeln". Auf die Granitstreifen hätte man völlig verzichten können, denn den Schmuckstreifen aus Klinker gelingt es hinreichend, die Fassade horizontal zu gliedern.Vertikal werden die rückwärtigen Gebäudeecken und Treppenhäuser in großen vertikalen Streifen zusammengefaßt.Durch tiefliegende Fenster, Markisen und negative Erker im Erdgeschoß wollte der Architekt einen flächigen Eindruck der Fassade verhindern.Weil eine Stahlbetonskelettkonstruktion mit hinterlüfteter Klinkerschale ein recht dicker Aufbau ist, wird der schwere und biedere Eindruck der neuen Filiale verstärkt.Der warme Farbton der viergeschossigen Lochfassade kontrastiert mit Keramikornamenten des Potsdamer Künstlers Manfred Rößler, die anhand von elf Münzen die Geschichte des Geldes der letzten 2500 Jahre darstellen.Die Dachkonstruktion, ein flaches Satteldach aus Holz, ist mit Kupfer gedeckt.Während bei Klinker die Alterung in Würde mitgeplant wurde, dürfte die Patina des Kupferdaches dem Bau eine ganz neue zusätzliche Farbe geben. Im Erdgeschoß sind rund um die kreisförmige Kassenhalle die Besprechungsräume angeordnet.Dahinter liegen Treppen und Aufzüge, die die oberen Etagen erschließen, wo sich von unten nach oben die Abteilungen für Wertpapierhandel, Geschäftsleitung und Marketing sowie für Firmenkunden befinden.Spannbetondecken erlauben in den weitgehend stützenfreien Räumen sowohl Großraum- als auch Zellenbüros. Von den Räumen in der zum großzügigen Erker ausgebildeten Ecke fällt der Blick auf die Kreuzkirche der Gebrüder Paulus von 1929, deren Klinkerfassade eine zusätzliche Referenz für die Bank war.Im Tiefgeschoß neben dem Gebäude parken die Kunden, Mitarbeiter und der Geldtransporter.Die alte Villa auf dem Grundstück wird für Veranstaltungen und Schulungen genutzt, große repräsentative Räume gehörten deshalb nicht zum Raumprogramm.Die Innenarchitektur von Margit Flaitz beschränkt sich folgerichtig auf Natursteinböden im Foyer und den Treppenhäusern, farbig gespachtelte Wände in dem Dunkelbereich der Geschosse und die Gestaltung der Kühldecken, mit deren Hilfe das Gebäude klimatisiert wird.Damit ist ein Gebäude entstanden, das sich darin gefällt, "Tradition und Zukunft durch Ziegel und Glasfaserkabel zu vereinen" und den "lauteren, verschwiegenen und zuverlässigen" Charme einer Privatbank zu symbolisieren.Auf Understatement hat der Architekt, der bisher hauptsächlich in der Altstadt Spandau gebaut hat und sich als "Gebrauchsarchitekt" versteht, verzichtet. Einen leibhaftigen und selbstbewußten Bauherrn vor sich zu haben, ist für Planer ein immer seltener werdendes Glück.Beständigkeit, Identität und regionales Bewußtsein will die Weberbank ausdrücken.Sollte sie tatsächlich einen Erweiterungsbau erhalten, der über Brücken angebunden wird, könnte die etwas überambitioniert wirkende Fassade dadurch eine größere Ruhe erfahren, die ihr gut täte.Die städtebauliche Konzeption, den Flinsberger Platz zum Teil eines Grünzugs zu machen, müßte dafür jedoch aufgegeben werden.

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