Zeitung Heute : Der doppelte Helm

Die Deutsch-Französische Brigade kann von EU und Nato für Kriseneinsätze angefordert werden

Roman Heflik

Als im Winter 1999 vor der französischen Küste der Tanker „Erika“ sank, da halfen deutsche Soldaten beim Reinigen der verschmutzten Bretagne-Strände. Drei Jahre später revanchierten sich ihre französischen Kameraden und beteiligten sich an den Aufräumarbeiten nach dem Elbe-Hochwasser. Für die Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade gehören solche symbolstarken Einsätze zum Standardrepertoire.

Doch die 4500 Mann starke Einheit hat mittlerweile auch mehrere Einsätze auf dem Balkan absolviert, 1100 Deutsche und Franzosen sind zur Zeit als SFOR-Truppen gemeinsam in Bosnien stationiert. Heute, 13 Jahre nach ihrer Gründung durch Francois Mitterrand und Helmut Kohl, ist die Brigade aus der Rolle eines reinen Vorzeigestücks deutsch-französischer Militärkooperation herausgewachsen.

Zwar arbeiten im Brigadestab und dem Versorgungsbataillon im badischen Müllheim Franzosen und Deutsche Seite an Seite, doch die Kampfverbände sind rein national. Denn es komme auf die militärische Effizienz an, sagen die Offiziere der Brigade. Dass die Völkerverständigung funktioniere, müsse man längst nicht mehr beweisen. Die Entstehung der Brigade ist die Folge des Elysée-Vertrages vom 22. Januar 1963, in dem sich beide Länder zur Zusammenarbeit in Verteidigungsangelegenheiten verpflichteten.

Aus dieser Kooperation entstand schließlich die Brigade, die als Keimzelle einer europäischen Verteidigungspolitik gedacht war und den Grundstein für das Eurocorps bildete. Diesem Corps schlossen sich auch Belgien, Luxemburg und Spanien an. Nach einigem Zwist darüber, welchem Bündnis das Korps unterstellt werden sollte, einigte man sich auf einen „doppelten Helm“: Je nach Bedarf kann das Corps als schnelle Eingreiftruppe von der EU oder von der Nato angefordert werden.

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