Zeitung Heute : Der Dreck steckt im Boden

Cordula Eubel

Für Niedersachsens Landwirtschaftsminister gibt es nur eine Konsequenz aus den überhöhten Dioxinwerten in Freilandeiern: zurück zur Käfighaltung. Hans-Heinrich Ehlen (CDU) schimpft, Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) habe aus ideologischen Gründen die Bedenken gegen die Freilandhaltung vom Tisch gewischt. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner wirft der Ministerin sogar vor, von der möglichen Belastung seit Monaten gewusst, aber nicht gehandelt zu haben.

Für die Lebensmittelkontrolle sind allerdings die Länder zuständig. Schon bevor seit Jahresbeginn ein europaweiter Grenzwert für die Dioxinbelastung von Eiern gilt, gab es in Deutschland einen so genannten Auslösewert, der sogar noch niedriger war. „Die Länderbehörden hätten tätig werden können, wenn diese Werte überschritten werden“, sagt eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums. Künast habe sich außerdem immer in Europa dafür eingesetzt, dass der schärfere Grenzwert möglichst schnell Gültigkeit hat. Baden-Württemberg untersucht nun nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums landesweit die zwanzig größten Freilandbetriebe. Bereits Ende Dezember wurden Stichproben angeordnet. Die Ergebnisse sollen Ende Januar vorliegen.

Ob Lebensmittel mit unerwünschten Stoffen belastet sind, prüfen Bund und Länder seit 1995 mit einem jährlichen Monitoring. Dabei werden aus einem imaginären Warenkorb im Jahr 15 bis 20 Lebensmittel ausgewählt und untersucht. Die Überwachungsbehörden der Länder ziehen in der Regel knapp 5000 Proben. Diese werden auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Nitrat oder auf Schwermetalle getestet. Außerdem gibt es regelmäßige Dioxin-Überprüfungen. Laut Verbraucherministerium wurde bei einer Untersuchung von Eiern im Jahr 2003 in nur drei von 48 Fällen ein Dioxinwert festgestellt, der oberhalb der jetzt neuen Grenze lag. Das Problem ist also kein flächendeckendes.

Renate Künast fordert ebenso wie Verbraucherschützer, dass dioxinbelastete Eier umgehend vom Markt genommen werden. Die verschmutzten Böden sollten saniert werden. Das Ministerium wies daraufhin, dass Betriebe außerdem die Belastung verringern könnten, indem sie einen Mulchbelag verwendeten. Experten zufolge nehmen die Hühner das Dioxin durch ständiges Picken und Scharren auf. Der Öko-Verband Bioland hat den Freiland-Eierproduzenten in den eigenen Reihen deshalb empfohlen, die Böden regelmäßig zu pflügen.

Zumindest im Nachhinein profitieren die Verbraucher gelegentlich von Skandalen, wenn Politik und Industrie daraus lernen. So konnte der Gehalt von Acrylamid in Lebensmitteln in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesenkt werden, heißt es im Verbraucherministerium. Bei Pommes frites, Kartoffelchips, Zwieback und Spekulatius nahm der mittlere Acrylamid-Gehalt deutlich ab, weil die Hersteller ihre Produktionsverfahren geändert haben.

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