Zeitung Heute : Der erste Schritt ist der einfachste - Online-Dienste helfen über die ersten Hürden

Kurt Sagatz

Dass Boris oder Verona nun online sind, ist erfreulich, doch ob die beiden Sympathieträger Grund genug sind, ebenfalls ins Netz zu gehen, ist eine andere Sache. Da gibt es reichlich bessere Argumente, denn obwohl die großen Computer-Katastrophen zum Milleniumswechsel ausgeblieben sind, benötigt die eine oder andere Software dennoch ab und an eine Auffrischung in Form eines Updates. Dies gilt für Windows genauso wie für die verschiedensten Anwendungsprogramme von Word is zum Lotus-Pendant und auch für alles, was mit Linux zu tun hat. Und erst recht natürlich für die zahllosen sinnvollen Programme, die es über das Internet sehr preiswert, wenn nicht gar umsonst zu beziehen gibt. Der Gang ins Netz kann jedem Computernutzer viele Wege beispielsweise zum Händler abnehmen oder sogar bares Geld sparen helfen, wenn anstelle der teuren 01805er Hotline einfach der Internet-Support aufgerufen wird, ganz zu schweigen von den Verlockungen des E-Commerce und den millionenfach angebotenen Informations- und Unterhaltungsseiten des Netzes.

Installation in wenigen Minuten

Obwohl die hinter dem Internet und seinen zahlreichen Anwendungen - World Wide Web, E-Mail, Chat, Newsgroups, Homebanking, Online-Shopping - stehenden Techniken sicherlich alles andere als trivial sind, ist der reine Zugang zum Netz inzwischen einfacher als die Programmierung eines Videorekorders mit Show-View. Allerdings zeigt bereits die kurze Auflistung der diversen Technologien, dass man sich als Anfänger in den Weiten der vernetzten Computerwelten durchaus verirren kann. Um so wichtiger ist es, gerade am Beginn möglichst die einfachsten Wege zu gehen - und die führen bislang noch über einen so genannten Online-Dienst. Zur Auswahl stehen in Deutschland dabei vor allem die Telekom-Tochter T-Online sowie die beiden Bertelsmann-Ableger AOL und CompuServe.

Die drei großen Online-Dienste zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie dem Internet-Novizen eine CD-ROM an die Hand geben, die die Installation sämtlicher benötigter Anwendungen und Hilfsdateien automatisch durchführt. Zu beinahe jeder Computer-Zeitschrift werden die Silberscheiben mit den Zugangsprogrammen inzwischen beigelegt, wobei vor allem die Betriebssysteme Windows und das Apple-System unterstützt werden. Bei neueren Windows-Rechnern reicht es in der Regel aus, die CD einfach einzulegen und auf den Eingangsbildschirm zu warten. Danach reicht ein einfacher Klick auf den Installationsbutton aus, um mit der Einrichtung des Systems zu beginnen.

Für welchen der drei Online-Dienste man sich entscheidet, hängt insbesondere von den Vorstellungen ab, die man mit der Internet-Nutzung verbindet. Zumindest zwischen T-Online und AOL sind die Preisunterschiede nicht so gravierend, als dass dies wichtigste Kriterium sein sollte. Für T-Online spricht nach wie vor besonders, dass die meisten Banken für diesen Dienst eine Homebanking-Schnittstelle unterhalten. Auch die puren Leistungswerte - also die Geschwindigkeit, mit der die Daten über die Leitung huschen - sind bei T-Online ausgezeichnet. Für AOL spricht hingegen die vor allem für Einsteiger intuitiv zu erfassende Bildschirm-Oberfläche, die auf einfache Weise in die weit verzweigten Inhalte des Online-Dienstes führt. Seit neuestem stehen jedem AOL-Account sogar sieben verschiedene E-Mail-Adressen zur Verfügung, so dass selbst Großfamilien damit ausreichend versorgt sein dürften. Da zu jeder E-Mail-Adresse auch ein eigener Zugang gehört, lassen sich überdies vom Hauptbenutzer die Rechte der anderen einschränken. Damit besteht zumindest ein rudimentärer Schutz der Kinder vor pornographischen Inhalten. CompuServe nimmt in diesem Terzett eine Sonderrolle ein. Während T-Online und AOL eindeutig in Richtung Privatkunden zielen, versteht sich CompuServe stärker als Angebot für die Business-Community. Aus der Historie des Unternehmens heraus liegen die Stärken der diversen Foren des Dienstes weiterhin auf den Bereichen Computertechnik und Wirtschaft, aber auch die Bereiche Recht und News sind in CompuServe stark vertreten. Später kann vor allem für Vielsurfer unter Umständen der Wechsel zu einem reinen Internet-Provider sinnvoll sein, da diese mitunter erheblich billiger sind.

ISDN nicht unbedingt nötig

Am Anfang jedoch geht es neben der Auswahl für einen Zugangsdienst auch um die Frage, mit welcher Technik man online gehen will. Wer bereits daheim über eine ISDN-Leitung verfügt, sollte diese tunlichst auch für das Internet nutzen, denn dies ist im privaten Bereich die Technik mit der schnellsten Einwahl und den höchsten Datentransfer-Raten. Sofern noch nicht vorhanden wird in diesem Fall entweder eine ISDN-Steckkarte oder einfacher ein externer ISDN-Adapter benötigt. Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist sicherlich, dass zwei Leitungen zur Verfügung stehen. Während auf der einen gesurft wird, kann auf der anderen telefoniert oder gefaxt werden.

Doch auch die analoge Telefontechnik reicht anfangs sicher völlig zum Surfen aus. Die aktuellen 56k-Modems sind fast so schnell wie die ISDN-Geräte und auch die etwas längere Einwahl ist zu verschmerzen. Lediglich das Fehlen eines zweiten Anschlusses kann sich bei ausgedehnteren Surfgängen als störend erweisen, denn in dieser Zeit erhalten alle Anrufer nur das Besetztzeichen. Und dies steht dem Gedanken des "Allzeit verbunden" sicherlich genauso im Wege wie dem häuslichen Frieden.

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