Zeitung Heute : Der Euro als Katalysator

KURT SAGATZ

Auf den ersten Blick ist der Titel des Berliner Beitrages zum bundesweiten Städtewettbewerb Media@Komm sicherlich etwas verwirrend, denn was hat der Euro im Namen von Euro@Berlin mit Multimedia zu tun? Viel, meinen zumindest die über 60 Firmen und Institutionen, die sich unter der Führung der Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin (TSB) zusammengefunden haben, und die die Wettbewerbsjury in der ersten Runde davon überzeugen konnten, von insgesamt 135 eingereichten Bewerbungen unter die ersten zehn der zweiten und letzten Runde zu gelangen.Zu den Teilnehmern von Euro@Berlin gehören dabei Global Player wie EDS und IBM, innovative Mittelständler wie Condat, D-Trust, Pixelpark und Vebis, Unternehmen aus der Finanzwirtschaft wie die Deutsche Bank, die Berliner Volksbank und die Landesbank Berlin, wissenschaftliche Einrichtungen wie die Freie Universität oder die GMD und zahlreiche Ämter und Dienststellen der Berliner Kommunal- und Landesverwaltung.Am 10.März werden sie wissen, ob ihre Strategie aufgeht, dann nämlich fällt in Bonn die Entscheidung, welche Städte zu den drei Siegern des Städtewettbewerbs gehören.



Der Euro hat im Berliner Wettbewerbsbeitrag die bedeutsame Rolle eines Katalysators.Die mit der Währungsumstellung nicht nur technisch verbundene Aufbruchstimmung in Firmen und Verwaltungen soll dazu eingesetzt werden, die Nutzung neuer Medien und neuer Technologien insgesamt zu befördern.Jede Anwendung, die auf den Prüfstand der Eurofähigkeit kommt, soll zugleich daraufhin untersucht werden, ob sie nicht angesichts der zunehmenden weltweiten Vernetzung verbessert oder erweitert werden kann.Zusätzlich dazu wird ein ganzer Strauß neuer Dienste geschaffen.



Mehr Service durch neue Dienste ist eines der Ziele von Euro@Berlin, das anschaulich im Projekt "Umzugsdienst" verwirklicht wird.Angefangen von den verschiedenen Verwaltungsprozessen wie Ummeldung beim Landeseinwohneramt und Anmeldung der Kinder bei Tagesstätten und Schulen über die Prozeduren bei Energieversorgern und Telefongesellschaften bis hin zur Orientierung im neuen Kiez erhält der Bürger durch den "Umzugsdienst" sämtliche Services aus einer Hand, entweder in speziellen Bürgerbüros, bei entsprechenden Dienstleistern oder direkt online, wie Thomas Leitert von der TSB erläutet.



Das Leben vereinfachen soll auch das "Digitale Fundbüro", das die Suche nach verloren gegangenen Gegenständen über das Internet ermöglicht, und das bei verschiedenen Einrichtungen zum Beispiel der Bahn oder der Berliner Nahverkehrsbetriebe.Der "Virtuelle Einkaufsassistent" als weiteres Projekt ermöglicht über das Internet die Recherche nach Produkten, gibt einen Preisüberblick und ist in Verbindung mit dem "Lieferservice" auch für ländliche Gebiete konzipiert, so Leitert.Begleitet werden alle Vorhaben von Euro@Berlin übrigens durch eine juristische und sozio-ökonomische Begleitforschung.



Austragungsort vieler dieser Online-Veranstaltungen ist das Berliner Stadtinformationssystem berlin.de, das als Public-Private-Partnership von Senat und einem Konsortium unter Führung von Debis geführt wird.Sowohl über die Kommunikationsinfrastruktur unter der Internet-Adresse www.berlin.de als auch über zahlreiche Kioskterminals im Stadtgebiet sollen die Berliner in den Genuß der technischen Segnungen kommen, was die Einführung der neuen Dienste erheblich vereinfachen dürfte.



Die große Klammer fast aller Vorhaben in Euro@Berlin stellt die Multifunktionale Bürgerkarte (MFBK) im Zusammenspiel mit der Digitalen Signatur dar.Sowohl im Umgang mit Verwaltungen als auch bei Geschäftsvorgängen mit Unternehmen spielt die Rechtsverbindlichkeit eine dominante Rolle, so die Prämisse des Euro@Berlin-Konzeptes.Allerdings sind die rechtlichen Voraussetzungen durch Signaturgesetz und -Verordnung in Deutschland recht hoch angesetzt, was sich im Preis entsprechender Lösungen ausdrückt.In Berlin wird deshalb ein dualer Ansatz gewählt, der die teure Signatur nach deutschem Recht nur in entsprechend sicherheitsrelevanten Fällen nutzt und diese durch neue Verfahren nach den einfacher zu handhabenden und damit preiswerteren EU-Normen ergänzt.Als Träger dient in beiden Fällen die Bürgerkarte, die Platz für unterschiedlichste Anwendungen erhalten wird.Dies senkt wiederum die Kosten dieser Lösung und führt nach Ansicht der Euro@Berlin-Teilnehmer zu einer erheblichen Attraktivitätssteigerung dieses Modells.



Im Fokus all dieser Bestrebungen steht bei Euro@Berlin der Endnutzer.Ob in der Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürger (administration-to-citizen) oder im Umgang der Unternehmen mit ihren Kunden (business-to-consumer): Maß aller Dinge soll der Nutzen für den Menschen sein, der wiederum über diesen Nutzen dazu animiert werden soll, die neuen Medien und neuen Technologien stärker einzusetzen, so die Euro@Berlin-Teilnehmer.

Große Hoffnungen setzen die Berliner in diesem Zusammenhang auf das Projekt "Bietergemeinschaft".Kleine unter mittlere Unternehmen können sich damit online zu "Virtuellen Unternehmen" zusammenschließen, um so auch größere Aufträge an Land ziehen und abwickeln zu können.

Weitere Informationen zum Berliner Wettbewerbsbeitrag stehen im Internet unter der Adresse www.protime.com

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