Zeitung Heute : Der Euro muß auf die Tagesordnung

MARTINA OHM

Beim G7-Treffen in Berlin wird sich zeigen, wie sich Japan und die USA zur gemeinsamen europäischen Währung stellen VON MARTINA OHM

Die Weltwirtschaftsgipfel kommen in die Jahre.Seit den legendären Kamingesprächen von Rambouillet haben sich die Treffen der sieben führenden Industrienationen erheblich gewandelt.Aus vertrauensvollen Erörterungen im kleinen Kreis wurden protzig inszenierte Fernsehshows mit den Regierungschefs in der Hauptrolle.Wo immer sich die Möglichkeit bietet, nutzen die Abgesandten aus aller Welt vor laufenden Kameras das Forum, um sich in Szene zu setzen.Kein Gipfel der Superlative ohne Wahlkampf.Verständlich, daß die Aufmerksamkeit mittlerweile mehr den Zusammenkünften gilt, die im Schatten der jährlichen Supershow stattfinden.Die häufigen Arbeitssitzungen der Finanzminister und Notenbankchefs erwecken noch eher den Eindruck, daß es hier in erster Linie um die Sache geht.Allein zweimal im Jahr bereitet die Siebenergruppe ohne die Regierungschefs die Tagungen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank vor.Diesmal spielt Berlin die Gastgeberrolle.Obwohl nur eine Routinesitzung anberaumt ist, also im Rahmen der üblichen Themenpalette vor allem die aktuellen Wechselkursentwicklungen zur Sprache kommen, ist klar, daß in Berlin insbesondere eine Frage auf die Tagesordnung rücken muß: Wie stellen sich die tonangebenden Partner Europas, also die USA und Japan, auf den Euro ein? Dieses Jahr entscheidet sich die Teilnahme an der europäischen Währungsunion.Wie - und wem - immer das Kunststück gelingen mag, erscheint sekundär.An den Finanzmärkten gilt als ausgemacht, daß der Euro termingerecht in Erscheinung tritt.Und weil auch politisch niemand mehr das Brüsseler Währungsprojekt in Zweifel ziehen möchte, kann es in Berlin nur noch darum gehen, welche Veränderungen sich durch die neue Währung ergeben.Manches könnte da in Bewegung geraten.Dabei darf man die USA zunächst getrost außer acht lassen.Der Euro läßt die Amerikaner nachweislich ziemlich kalt.Völlig anders verhält es sich mit Tokio.Die Japaner haben bereits unmißverständlich zum Ausdruck gebracht, was sie von einem britischen Partner halten, der sich dem Anschluß an Europa in einer für sie entscheidenden Frage verweigert: nämlich gar nichts.Großbritannien, bislang in der Gunst amerikanischer, japanischer und koreanischer Investoren ganz vorn, muß sich Sorgen machen um seine europäische Brückenkopffunktion.Mit seinen Warnungen an John Major hat der Konzernchef von Toyota dieser Tage der britischen Exportwirtschaft aus dem Herzen gesprochen.Die anhaltende Aufwertung des britischen Pfundes ist jedenfalls alles andere als eine Attraktion für Investoren, die in Großbritannien für Drittstaaten produzieren wollen. Der Druck auf London wird noch steigen, denn es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß sich der Trend an den Devisenmärkten umkehrt.Im Gegenteil: die gegensätzliche Kursentwicklung von Pfund und D-Mark macht deutlich, was man der neuen Währung Europas zutraut und was nicht.Auch die Stärke von Dollar und Schweizer Franken legen den Schluß nahe: Der Euro wird weniger stabil sein als die deutsche Mark.Damit ist auch klar, in welche Richtung der Zug fährt.Die Teilnehmerländer, die sich im ersten Durchgang für den Euro qualifizieren, die Maastricht-Kriterien noch dieses Jahr erfüllen, dürfen sich bis auf weiteres einer funktionierenden Exportwirtschaft sicher sein - mit allen positiven Auswirkungen auf die Beschäftigungslage.Mit dieser Erkenntnis werden auch Deutsche und Franzosen Hand in Hand arbeiten können.Wenn sich die beiden Länder auf dieser Ebene unmißverständlich ihrer gemeinsamen Interessen versicherten, hätte sich das Treffen in Berlin schon gelohnt.

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