Zeitung Heute : Der Glamour der Straße

FRIEDRICHSTADTPALAST Nadia Espiritu choreografiert die Hip-Hop-Nummern für die neue Revue „Show Me“ – die vielseitige Tänzerin begeistert auch als Solistin mit rasanten Moves.

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Für „Show Me“, die neue Revue des Friedrichstadtpalast, choreografiert sie die Hip-Hop-Nummern – und macht den Girls Beine.
Für „Show Me“, die neue Revue des Friedrichstadtpalast, choreografiert sie die Hip-Hop-Nummern – und macht den Girls Beine.

Frauen im Hip-Hop – da denken viele nur an leichtbekleidete Girls in den Videoclips, die mit dem „booty“ wackeln. „Diese Videos sind schrecklich!“, echauffiert sich Nadia Espiritu, die als eine der besten Hip-Hop-Tänzerinnen in Deutschland gilt. „Die Medien zeigen aber auch ein total verzerrtes Bild. Dieses Image von bling bling und knappen Miniröcken hat mit der urbanen Kultur nichts zu tun.“

Die zierliche Tänzerin, die seit fünf Jahren in Berlin lebt, widerlegt selbst alle Vorurteile über ein sexistisches Hip-Hop-Business. Sie versucht erst gar nicht, cool und abgebrüht zu wirken. Nadia Espiritu – das merkt man gleich – muss keinem mehr etwas beweisen. Eine Kämpferin ist sie aber schon; anders hätte sie sich auch nicht behaupten können in der von Männern dominierten Hip-Hop-Szene. „Am Anfang meiner Laufbahn war es wirklich tough“, erinnert sie sich. „Ich musste kämpfen, um erst mal Beachtung zu bekommen. Aber in den zehn Jahren, die ich nun schon dabei bin, hat sich viel verändert.“

Für „Show Me“, die neue Show des Friedrichstadtpalastes, wird Nadia Espiritu einige Hip-Hop-Nummern kreieren – und sie wird auch selbst als Solistin mit schnellen Moves begeistern. Street Culture und Ausstattungsrevue – das scheinen zwei völlig getrennte Welten zu sein. Doch Hip-Hop ist längst im Mainstream angekommen – und Espiritu bringt nun den Glamour der Straße auf die große Bühne. Mit Espiritu hat sich Ballettdirektorin Alexandra Georgieva eine vielseitige Künstlerin geangelt. Ob Hip-Hop, Soul Dance, Punkin’, Wackin’, Electric Boogaloo, Lockin’, Poppin’ oder House – Espiritu ist nicht auf einen Style festgelegt. „Man muss sich als Hip-Hop-Künstler ständig weiterentwickeln, das macht es für mich so reizvoll“, erklärt Espiritu.

Erstmals kam sie mit der Hip-Hop-Kultur in Berührung, als sie mit 14 für ein Jahr als Austauschschülerin in die USA ging. „In den Pausen wurden in der Junior High die Schulbänke beiseite gerückt, der Ghettoblaster angemacht und alle haben getanzt!“, schwärmt sie. In Düsseldorf traf sie dann auf Takao Baba – und wurde Mitglied des Hip-Hop-Kollektivs E-Motion, das mit Bühnenperformances wie „2nd ID“ für Furore sorgte. Wenn Hip-Hop heute als Kunstform anerkannt ist, ist das auch ein Verdienst von E-Motion.

Nadia Espiritu gehört zu den Pionieren, sie ist aber auch in anderer Hinsicht ein Vorbild: Zeigt sie doch, dass Hip-Hop erwachsen geworden ist. „Ich hatte das Glück, dass ich immer sehr nette Kollegen hatte“, sagt sie resümierend. Machos haben bei ihr keine Chance. Während sie früher hyperaktiv war und am liebsten 24 Stunden lang trainiert hätte, lässt sie es heute etwas ruhiger angehen. Sie geht mit ihrem Hund spazieren und sie liebt scrapbooking, das Basteln von Fotobüchern.

Espiritu konzentriert sich momentan vor allem aufs Choreografieren. Selber auftreten will sie nur noch, wenn das Projekt für sie stimmt. Mit Posen hatte sie noch nie was im Sinn. „Ich wollte einfach immer besser werden in dem, was ich mache, aber ich bin nie einem Image hinterhergerannt.“ SANDRA LUZINA

Premiere 18.10., 19.30 Uhr. 19.-21., 23.–28. und 30.10.,

jeweils 19.30 Uhr, Sa + So auch 15.30 Uhr

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