Zeitung Heute : DER GROSSE INTERNET-PROVIDER-TEST (1)

MAURICE SHAHD

Der Boom des Internets ist ungebrochen: Nach Angaben der aktuellen W3B-Studie der Hamburger Marktforscher Fittkau & Maaß wird das Netz "immer mehr zu einem Medium für alle".Mit einem Anteil von 15,5 Prozent nutzen im Gegensatz zum Vorjahr fünf Prozent mehr Frauen das Internet.Auch der Altersdurchschnitt steigt und liegt jetzt bei 35,5 Jahren.Vom Wachstum des Mediums profitieren insbesondere Online-Dienste und Provider - Unternehmen also, die ihren Kunden den Zugang zum Internet ermöglichen.Wer auf die zusätzlichen Service-Angebote der Online-Dienste verzichten kann, surft mit einem reinen Internet-Provider, der ausschließlich nur für die Bereitstellung der Internet-Dienste wie WWW, E-Mail oder Datentransfer zuständig ist, in der Regel billiger und schneller.Doch was ist bei der Auswahl eines geeigneten Providers zu beachten und wie lassen sich die zahlreichen Anbieter vergleichen? Der Tagesspiegel wird in den nächsten Monaten Antworten auf diese Fragen geben und Woche für Woche jeweils einen Provider vorstellen und testen.

Wichtigstes Auswahlkriterium des Tests: Der Provider muß über einen Einwahlknoten in Berlin verfügen.Das heißt, für Berliner muß die Einwahl zum Ortstarif erfolgen.Getestet werden also Provider, die ihren Firmensitz in Berlin haben, aber auch überregional agierende oder internationale Unternehmen mit Ortseinwahl werden unter die Lupe genommen.Die Leser des Tagesspiegel können sich ebenfalls beteiligen und sind aufgerufen, der Interaktiv-Redaktion ihre Erfahrungen mit ihrem Provider mitzuteilen.Unter dem Stichwort "Provider-Test" in der Subject- beziehungsweise Betreff-Zeile können Kommentare an die Adresse interaktiv@tagesspiegel.de geschickt werden.

Augenfällig beim Vergleich der Angebote sind die unterschiedlichen Preismodelle der Provider.Abgerechnet wird zumeist nach der online verbrachten Zeit oder - erheblich seltener - nach der Menge der übertragenen Daten.In der Regel fällt eine monatliche Grundgebühr an und es wird eine bestimmte Anzahl von Freistunden gewährt.Insbesondere auf Firmenkunden spezialisierte Provider schränken die Nutzung ihres Dienstes während der Geschäftszeiten für Privatkunden oftmals ein oder verlangen während dieser Zeit erheblich höhere Gebühren.Will der Internet-Nutzer wissen, mit welchen Kosten er bei einem bestimmten Provider tatsächlich rechnen muß, sollte er eine Vorstellung darüber haben, wie lange er wann online sein will.Vor allem für Ersteinsteiger dürfte das nicht immer ganz einfach sein.

Eine Möglichkeit, die Transparenz bei der Preisgestaltung zu erhöhen, sind Pauschaltarife."Wir bieten für 29 Mark im Monat einen vollwertigen Dienst, also keine stundenweise oder volumenabhängige Abrechnung", erklärt Thomas Manthey, Geschäftsführer der Trionet Datentechnik GmbH, des ersten Test-Kandidaten.Und Manthey verspricht: "Bei uns wird niemandem gekündigt, weil er zuviel surft." Neben unbegrenzter Internet-Nutzung sind im Pauschaltarif eine E-Mail-Adresse und ein Megabyte Plattenplatz für die eigene Homepage enthalten.

Trionet wurde 1996 von zwei Betriebswirten und einem Informatiker in Berlin gegründet.Erst vor kurzem wurden neue Räumlichkeiten im Ullsteinhaus in Tempelhof bezogen, um dem Wachstum des Unternehmens gerecht zu werden.Trionet zählt im Moment etwa 300 Privat- und Firmenkunden, am Jahresende soll sich diese Zahl laut Manthey verdoppelt haben."Neben dem Zugang bieten wir alles rund ums Internet, von der Internet-Schulung bis zur Konzeption von Websites", erläutert Manthey.Hauptzielgruppe des Unternehmens sind Klein- und Mittelständische Betriebe, die für das Internet begeistert werden sollen."Die Privatkunden werden aber ihren hohen Stellenwert behalten, da der Dienst durch sie bekannt wird."

Den Nachteil, als lokaler Provider nur über einen Einwahlknoten in Berlin zu verfügen, sieht Manthey nicht."Unsere Kunden können sich an einem beliebigen Ort in der Bundesrepublik über unseren Netzwerkpartner IBM zum Ortstarif ins Internet einwählen." Über weitere Einwahlknoten im Berliner Umland werde nachgedacht, "dabei gehen wir aber Schritt für Schritt vor".Als besonderen Service bietet Trionet seinen Kunden verschiedene Download-Möglichkeiten, zum Beispiel "FTP per E-Mail".Dabei können Trionet-Kunden unter Angabe des FTP-Servers und der Dateinamen den Download dieser Dateien bestellen."Die Daten werden von uns über Nacht auf unsere Rechner übertragen und können dann von unseren Kunden per E-Mail abgerufen werden.Das spart wertvolle Zeit", so Manthey.

Einen öffentlichen News-Server betreibt Trionet bisher nicht."Zur Zeit dienen die Trionet-Newsgroups ausschließlich der Kommunikation mit und zwischen den Kunden", erklärt der Technische Geschäftsführer Wolfgang Metze.Ein öffentlicher News-Server werde in naher Zukunft eingerichtet.Nach den jüngsten Medienberichten über Kinderpornographie und rechtsradikale Inhalte im Internet sieht Metze auch die Provider in der Pflicht."Wir fühlen uns für die Inhalte auf der eigenen Festplatte verantwortlich." Sex-Seiten soll es auf dem News-Server von Trionet nicht geben."Das ist auch eine Frage der Seriösität", meint Metze.Bei der großen Anzahl von Newsgroups sei eine vollständige Kontrolle jedoch nicht möglich.Allenfalls mit Stichproben könne der Provider versuchen, fragwürdige Inhalte zu verhindern.Trionet werde die Anregung des Tagesspiegels aufnehmen, auf der eigenen Homepage Kinderschutzprogramme wie "CyberSitter" oder "Cyber Patrol" zum Download bereitzustellen.

Zum Test: Die Installation des Zugangs über das DFÜ-Netzwerk unter Windows 95 verlief ohne Probleme.Die zweiseitige Installationsanleitung ist zwar etwas kurz, aber verständlich.Die wichtigsten Programme wie Browser oder E-Mail-Programm müssen zunächst etwas umständlich per FTP von einem Trionet-Rechner geladen werden - eine Installation per CD-ROM wäre einfacher - und billiger, denn die Uhr der Telekom läuft bekanntlich immer im Hintergrund mit.

Im Geschwindigkeitstest macht Trionet eine gute Figur.Die Übertragung einer 486 Kilobyte großen Test-Datei dauerte mit einem 56K-Modem meist unter zwei Minuten, wobei erstaunliche Übertragungsraten von bis zu 4,2 Kilobit pro Sekunden (Kbps) gemessen wurden.Im Durchschnitt lag die Übertragungsrate bei 3,1 Kbps.Nur am stark frequentierten Freitag abend dauerte die Übertragung erheblich länger.Zu den schnellen analogen Übertragungsraten trägt neben einer guten Internet-Anbindung auch bei, daß die Modem-Standards K56flex und V.90 unterstützt werden.Besonders flink zeigte sich der Zugang per ISDN.Der Download dauerte nur eine gute Minute mit Übertragungsraten von bis zu 5,7 Kbps.

Die Hotline von Trionet ist nur während der Geschäftszeiten erreichbar.Wer selbst lange arbeitet, muß auf Überstunden der Trionet-Mitarbeiter hoffen.Positiv ist der bereits erwähnte Download-Service, der aber die Kenntnis voraussetzt, welche Datei wo zu finden ist.Der Normal-User dürfte mit der auf der Trionet-Homepage angebotenen Software gut bedient sein.Der Dienst war übrigens immer erreichbar, ein Besetztzeichen hörten wir nicht.Der E-Mail-Zugang funktionierte einwandfrei.Zu bemängeln ist, daß der Vertrag nur zum Quartal kündbar ist.Kundenfreundlicher wäre die Kündigungsmöglichkeit zum Monatsende.

Insgesamt bietet Trionet eine hohe Geschwindigkeit bei relativ niedrigem Preis mit leichten und verschmerzbaren Einbußen beim Service.Insbesondere Surfer, die sich regelmäßig länger im Netz aufhalten, dürften von dem Pauschaltarif profitieren.Trionet erhält von der Interaktiv-Redaktion die Bewertung "gut", allerdings mit Einschränkungen wegen des nur sehr mäßigen Newsgroups-Angebots.

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