Zeitung Heute : Der Himmel auf Erden

Nicht nur für die Flitterwochen: Himmelbetten halten Einzug in die Schlafzimmer – mit einer nahezu unendlichen Design-Vielfalt

Elfi Kreis

Vom himmlischen Vergnügen einer romantischen Hochzeitsnacht in einem komfortablen Himmelbett hat schon mancher einmal geträumt. Damit solche Träume für mehr als tausendundeine Nacht auch im eigenen Schlafzimmer wahr werden, muss man weder frischverliebt sein, noch als Schlossherr oder Burgfräulein in historischen Gemächern residieren. Himmelbetten gibt es heute in verschiedensten Stilrichtungen, Materialien und Ausführungen. Ob man dem romantischen Charme hauchzarter, wolkiger Stores erliegt, Klassiker wie helles Leinen schätzt oder leuchtende Farben wählt, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Schlichte Stoffbespannung oder opulente Draperien, bunte und fantasievoll gemusterte Stoffe oder sachliche Markisenstreifen: mit einem Betthimmel lässt sich die nüchternste Schlafstätte verwandeln.

In jedem Fall garantiert das Himmelbett einen besonderen Wohlfühlfaktor. Es vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und oft einen Hauch von Luxus unterm luftigen Stoffhimmel. Die zeitgemäßen Nachfahren historischer Prunkbetten mit Baldachin müssen zwar längst keinen Schutz mehr vor herabrieselndem Deckenputz oder Ungeziefer bieten. Auch sind die Zeiten passé, als die komplette Großfamilie ins heimelige Gemeinschaftsbett schlüpfte.

Doch selbst im modernen Ein-Zimmer Apartment bietet ein passend dekoriertes Einzel- oder Doppelbett nicht nur einen optisch attraktiven Blickfang. Auch unter praktischen Gesichtspunkten kann das Himmelbett eine zeitgemäße Alternative zur mit Schränken oder Paravents abgeteilten Schlafecke sein. Wenn wieder einmal keine Zeit bleibt, ordentlich das Bett zu machen, zieht man einfach rasch die Vorhänge zu.

Nicht nur Nostalgiker und Liebhaber kompakter Stilmöbel finden zum Beispiel in der Modellreihe „Anno 1700“ des österreichischen Herstellers Voglauer das Passende, zu der ein Himmelbett aus hellem, wie traditionelle Bauernmöbel bemaltem Holz mit Holzdecke gehört. Wer ein Verbindungsstück zwischen alt und neu sucht, liegt womöglich mit einem Himmelbett im Shakerstil aus kirschbaumfarben gebeizter Kiefer richtig. Das Modell „Mayflower“ von Zenia House hat keinen Baldachin, sondern einen dreiteiligen Bettvorhang. Ein attraktives Himmelbett in zeitgenössischem geradlinigem Design aus Rotkernbuche mit dunklem Kontrastholz ist das Modell „Nomade“ (Loft). Es besitzt am Kopfende zwei separate, schwungvoll nach hinten gebogene Lehnen, durchbrochen von je drei horizontalen Schlitzen. Das Himmelbett „Phantasie“ von Arche fällt mit seinen im Bogenschwung nach außen ausladenden Pfosten aus dem Rahmen, die in Halbmonden oder Sonnen als Zierknäufen enden. Nicht nur Sternenguckern bietet das Bett aus Buche Stoff für „himmlische“ Träume.

Wer reduzierte, kantige Formen mag, der findet beim Himmelbett „Celestina“ aus der Schweiz eine andere, eigenwillige Formvariante schräg nach außen ausladender Bettpfosten: Der umschriebene Raum gleicht einem umgekehrten Pyramidenstumpf. Aus Italien stammt das Modell MP 8620 aus massiver Pinie, am Kopfteil sorgen mit Nussbaum dunkel abgesetzte Kreuzstreben für einen reizvollen Kontrast. Aus Schmiedeeisen ist MD 7625, die Bettpfosten münden in goldfarbenen Pinienzapfen. „Selezione“ heißt das dritte, verspielte Baldachinbett aus Ahorn mit gedrechseltem Fuß von Boffi. Die Bettpfosten sind wie zwei runde Torbögen geformt und ermöglichen mit Klettbund an den Stoffvorhängen sechs Baldachinvarianten. Ein besonders formschönes, elegant schlichtes Bett, das durch sehr klare Linien des Designs überzeugt, stammt vom italienischen Hersteller Orizzonti.

Wer modernes Design beim Himmelbett bevorzugt, findet mit „Olymp“ aus dunkel gebeiztem Buchenfurnier ein schlichtes und doch repräsentatives Möbel. Sein Aufbau wirkt als Kubus wie ein Raum im Raum. Ein umlaufendes Podest unterstreicht den Inselcharakter des Himmelbetts. Kreativ-Direktorin Anna Lambert hat diese Gestaltungsidee aus alten Königsgemächern übernommen und aktuell umgesetzt. Praktisch sind die eingebauten Regale am Kopfende. Klassisch formstreng und zeitlos modern ist auch „Arkadia“ aus massivem Eichenholz, dessen Aufbau aus Vierkanthölzern mit und ohne Textilien wie Architektur wirkt.

Besonders umfangreich ist das Sortiment an Himmelbetten aus Metall: Es gibt sie vom Arnsberger Metallbetten-Spezialisten „Hütter und Hansen“, aus der Kollektion „Völker Design“, von der finnischen Firma Messin sowie den Schweizer Herstellern Cherubino und Palladio Design.

Das Himmelbett war schon in der Gotik populär. Von dieser Epoche inspirierte Muster kommen heute aber keineswegs altmodisch daher, wie die Übersetzung gotischer Bögen in klare Strukturen bei „American Gothic“ und „Neo“ zeigt. Vom romantischen Himmelbett „Baroque“, das Harry Potter-Fans zauberhafte Träume wie im Turmschlafsaal der Gryffindor-Schüler von Hogwarts beschert, bis zum Wellenmuster von „Zoom“ oder dem einfachen Gitter von „Steelo“ für Puristen sind allein siebzehn von dreiundzwanzig Modellen der Kollektion als Himmelbetten lieferbar. Es gibt sie in zahlreichen Farben, auch als Low end Bett ohne Fußteil. Ausgeschlafene sollten beim Kauf beachten, dass sich diese Himmelbetten nicht zu normalen Betten zurückverwandeln lassen.

Ein Himmelbett auf der Blumenwiese? Der Gartenmöbelhersteller Dedon aus Lüneburg macht mit „Daydream“, dem ersten Himmelbett für draußen, selbst das möglich. Auf der XXL-Version kann die ganze Familie im Schatten des Baldachins Siesta halten. Es gibt zudem eine schmale Ausgabe, die auch auf der Terrasse oder in einem kleinen Garten Platz findet.

Das Outdoor-Bett lässt sich mit wenigen Handgriffen in eine normale Sonnenliege verwandeln. Vorhänge und Aufbau aus Aluminium, Seiten- und Rückenteile lassen sich leicht abnehmen. Danach kann das aus einer speziellen Kunstfaser geflochtene „Daydream“-Bett selbst jetzt im Winter im Freien stehen bleiben. Das Synthetikmaterial Hularo auf der Basis von Polyäthylen erinnert optisch an Rattan, Seegras oder Hanf, ist aber extrem robust, reißfest und äußerst wetterbeständig.

Wer es verspielt mag, sorgt mit wehenden Stoffschleiern oder einem Windspiel aus Glöckchen, Perlen und Pailletten zusätzlich für orientalisches Flair. Moskitonetz und Kissen in Raubtiermuster verleihen dem Kuschelbett die Illusion ferner Länder.

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